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Mehr Sicherheit auf Autobahnen: NRW will Überholverbot für Lastwagen einführen

VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 10.10.2006 - 10:57

Düsseldorf (RP). An jedem fünften Unfall auf NRW-Autobahnen ist ein Lastwagen beteiligt. Oft sind gefährliche Überholmanöver die Ursache. Damit soll jetzt Schluss sein: NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) plant ein Überholverbot für Lastwagen.

Die Autobahnen in Nordrhein-Westfalen sollen sicherer werden. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) lässt derzeit prüfen, ob die Mindestgeschwindigkeit von Lastwagen von Tempo 60 auf Tempo 80 erhöht werden kann. "Zu geringe Geschwindigkeiten auf der rechten Spur verleiten viele Fahrer zu gefährlichen Überholmanövern", sagte Wittke gegenüber unserer Redaktion. "Diese Situation wollen wir entschärfen." Gleichzeitig erwägt Wittke ein Überholverbot für Lastwagen auf zweispurigen Streckenabschnitten.

"Das plötzliche Ausscheren von Lkw führt immer wieder zu schweren Unfällen", sagte Wittke. "Elefantenrennen behindern den Verkehrsfluss auf vielen Autobahnen und können Staus auslösen." Experten im Verkehrsministerium prüfen derzeit, wie die Regelungen mit dem Bundesrecht harmonisiert werden können. "Wir können schließlich keine Sonderregelung der Straßenverkehrsordnung für NRW erlassen", erklärte Wittke. Der Verkehrsminister ist optimistisch, dass die Maßnahmen noch in diesem Jahr greifen werden.

Im vergangenen Jahr hat es auf den Autobahnen von NRW 13.037 Verkehrsunfälle gegeben. An jedem fünften Unfall war ein Lastwagen beteiligt. Dabei kamen zehn Menschen ums Leben, es gab 73 Schwerverletzte. Im Regierungsbezirk Düsseldorf gibt es bereits temporäre Überholverbote auf den Autobahnen A 40, A 46 und A 57. "Derzeit haben wir auf 340 von 1400 Kilometern ein Lastwagen-Überholverbot", sagte Wolfgang Netzer, Verkehrsingenieur bei der Bezirksregierung. Auch auf unfallträchtigen dreispurigen Streckenabschnitten müssen Lkw ganz rechts bleiben. "An der A 3 zwischen dem Kreuz Hilden und der Ausfahrt Mettmann gab es immer wieder schwere Unfälle, weil Lastwagen an der Steigungsstrecke zum Überholen ausgeschert sind", erklärte Netzer. An der Autobahn 40 gilt auf dem Abschnitt zwischen Moers und der niederländischen Grenze seit Mai 2001 tagsüber ein Lastwagen-Überholverbot. Auf der Strecke sind pro Tag 40.000 Fahrzeuge unterwegs, der Lkw-Anteil liegt bei 30 Prozent.

"Nach der Einführung des Überholverbots ist die Zahl der Unfälle mit Lkw-Beteiligung von 43 auf unter 30 Prozent zurückgegangen", so der Sprecher der Bezirksregierung. "Wir hatten gehofft, dass die Zahl noch deutlicher sinken würde." Der Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar hatte sich gegen ein generelles Überholverbot für Lastwagen ausgesprochen. Vielmehr forderten die Experten flexible Verbote, die sich an das "aktuelle Verkehrsaufkommen" anpassen.


 
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