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164 Dorfbewohner und Juden erschossen: NS-Prozess in München: Über 100 Menschen erschossen

zuletzt aktualisiert: 09.09.2004 - 16:56

München (rpo). Der Untergang des Dritten Reichs liegt mittlerweile fast 60 Jahre zurück. In München hat am Donnerstag einer der letzten Prozesse gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher begonnen. Angeklagt ist der 86-jährige Ladislav Niznansky.

Er muss sich seit Donnerstag wegen Mordes an 164 Menschen vor dem Schwurgericht verantworten. Als Chef einer slowakischen Hilfsgruppe zur Partisanenbekämpfung soll er Anfang 1945 an drei Massakern in der Slowakei teilgenommen haben. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe und sagte: "Ich bin unschuldig!"

Ein Trupp der unter deutschem Kommando stehenden "Abwehrgruppe Edelweiß" hatte im Januar 1945 in den Dörfern Ostry Grun und Klak 146 Männer, Frauen und Kinder zusammengetrieben und erschossen. Niznansky habe seinen Männern befohlen, "keine lebendige Seele entkommen" zu lassen, sagte Staatsanwalt Konrad Kuchenbauer. Das jüngste Opfer sei drei Monate, das älteste 89 Jahre alt gewesen. Niznansky habe sich "willkürlich als Herr über Leben" aufgeführt und mindestens 20 Personen mit seiner Maschinenpistole eigenhändig ermordet. Die Opfer hätten der Tötung ihrer Familien, Freunde und Nachbarn zusehen müssen, während sie auf ihre eigene Erschießung warteten. Das offenbare die "unbarmherzige, gefühllose Gesinnung" Niznanskys.

Getrieben von Rassenhass

Einige Tage später habe die "Abwehrgruppe Edelweiß" in Ksina 18 jüdische Männer, Frauen und Kinder erschossen, die sich in einem Wald versteckt hatten. Getrieben von Rassenhass, habe Niznansky das Hinrichtungskommando zusammengestellt, sagte der Staatsanwalt.

Niznansky sagte, er sei als slowakischer Hauptmann nach seiner Gefangennahme durch die Deutschen 1944 in die "Edelweiß"-Gruppe eingetreten, um dem KZ zu entgehen. Er habe aber nie die Hand gegen Frauen oder Kinder erhoben und habe das auch nie befohlen. Er sei weder in Ostry Grun noch in Klak dabei gewesen.

Sein Verteidiger Steffen Ufer sagte, der Hauptbelastungszeuge habe seine Aussage nach Jahrzehnten plötzlich geändert. Alle Überlebenden des Massakers von Ostry Grun hätten den Todesschützen als deutschen Offizier beschrieben.

Niznansky war 1946 von einem slowakischen Gericht freigesprochen und vom Geheimdienst als Spion nach Österreich geschickt worden. Er lief aber über und arbeitete für den US-Sender Radio Free Europe in München. Von einem Gericht in der CSSR wurde er 1962 wegen der Massaker in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach neu aufgerollten Ermittlungen wurde Niznansky im vergangenen Januar in München verhaftet. Das Gericht will bis Ende Oktober 24 Zeugen vernehmen.

Nur vier Zeugen reisefähig

Nur vier Zeugen hätten bislang zugesagt, nach München zu reisen, sagte Danka Zanovitova von der slowakischen Generalstaatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur CTK. "Die meisten lebenden Zeugen sind alt und können aus Gesundheitsgründen nicht reisen." Niznansky selbst spricht seit einem Schlaganfall stockend und undeutlich und hört sehr schlecht, fühlt sich nach eigenen Worten aber gesund.

"Edelweiß" sei von fünf deutschen Offizieren geführt worden, sagte er. Sie hätten alle Befehle gegeben und immer die Aufsicht geführt. Neben rund 40 deutschen Soldaten hätten der Einheit Slowaken, Russen, Ukrainer und Kaukasier angehört.

Das mit der Aufklärung von NS-Verbrechen befasste Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem begrüßte den Prozess. Die vergangene lange Zeit mache aus Verbrechern keine unschuldigen Zivilisten, sagte Büroleiter Efraim Zuroff.

Quelle: ap

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