Kanzlerin zu Besuch in Washington: Obama mag Deutschland und Merkel
zuletzt aktualisiert: 26.06.2009 - 20:19Washington (RPO). "Ich bewundere ihre Weisheit, Offenheit und Führungstärke." Das waren die warmen Worte, auf die Angela Merkel (CDU) lange gewartet hatte. Bei ihrem Antrittsbesuch im Weißen Haus wurde die Bundeskanzlerin am Freitag von US-Präsident Barack Obama geradezu überschüttet mit freundlichen Gesten.
Bei dem dreistündigen Arbeitsbesuch besprachen die beiden Regierungschefs alle wichtigen aktuellen Themen und beseitigten atmosphärische Störungen - wenn es denn welche gegeben hat. Merkel machte deutlich, dass die Herausforderungen in der Welt nicht von einer Nation allein zu bewältigen seien.
Eigentlich war die Begegnung mit der Presse im Rosengarten des Weißen Hauses geplant, wo der Präsident nur besondere Staatsgäste empfängt. Doch weil in Washington der Himmel grau war und sogar mit einem Unwetter gerechnet wurde, fand die Pressekonferenz kurzerhand im East Room statt. Nach einem gut 30-minütigem Vier-Augen-Gespräch und einer erweiterten Runde mit Beratern traten die beiden vor die Presse und Obama begrüßte noch einmal seine "gute Freundin Bundeskanzlerin Merkel".
Doch neben all den Nettigkeiten wollte Merkel ihr knapp dreistündiges Treffen vor allem auch als Arbeitsbesuch nutzen. "Ich habe mit Interesse gesehen, dass Barack Obama viele Türen aufstößt", hatte Merkel bereits bei der feierlichen Verleihung des Warburg-Preises am Donnerstagabend gesagt. Besonders wichtig ist für sie eine einheitliche Bewertung der aktuellen Situation im Iran und die künftige Strategie des Westens zum umstrittenen Atomprogramm.
Dabei wählte sie auch persönliche Worte. Mit Blick auf das harte Vorgehen gegen die Demonstranten in Teheran und das Verschwinden von Oppositionellen sagte Merkel: "Das werden wir nicht vergessen." Aus ihrer Zeit in der DDR wisse sie, wie wichtig es sei, das sich darum gekümmert werde, "wo die Menschen geblieben sind".
Wichtiges Thema war natürlich auch der Klimaschutz, auch wenn sich Merkel in dieser Frage in den vergangenen Monaten wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise eher zurückgehalten hatte. Vor dem Treffen mit Obama traf sich Merkel mit einer der mächtigsten Politikerinnen in den USA, der Präsidentin des Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Noch am Freitag sollte in der Abgeordnetenkammer erstmals ein US-Klimaschutzgesetz zur Abstimmung stehen, das den Ausstoß an Treibhausgasen in den USA bis 2020 um 17 Prozent im Vergleich zu 2005 senken soll. Pelosi lud Merkel ein, bei ihrem nächsten Besuch vor Senat und Repräsentantenhaus eine Rede zu halten.
Nach den verbalen Ankündigungen Obamas, sein Land wolle im Kampf gegen den Klimaschutz eine Führungsrolle einnehmen, sieht Merkel in dem US-Gesetz einen ersten substanziellen Beitrag. "Das ist eine Trendwende, ein Riesenschritt", lobte sie. Doch vor allem will sie die Klimaschutz-Konferenz in Kopenhagen für ein Kyoto-Nachfolge-Abkommen im Dezember zum Erfolg führen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg der Verhandlungen, mit China und den anderen Schwellenländern und möglicherweise auch noch mal mit den USA. "Es ist ganz wichtig, dass wir uns einig sind."
Merkel zeigte sich erneut fasziniert von Obamas Lebenslauf, einem Mann, der nicht aus dem politischen Establishment kommt wie sein Vorgänger George W. Bush. Der 44. Präsident hat ähnliche viele Brüche in seinem Lebenslauf wie Merkel, der Physikerin aus Ostdeutschland. Beide denken analytisch, sind eher pragmatisch und überschwängliche Gesten sind ihnen eher fremd.
Beide betonten, sie lägen trotz einiger Differenzen bei der Einschätzung der meisten Probleme sehr eng beieinander. "Wir wollen die Zusammenarbeit auf allen Feldern", sagte Merkel. Dazu war kurze Besuch in der US-Hauptstadt sicherlich sinnvoll.
Auch wenn es diesmal nicht der Rosengarten war, die harmonischen Bilder unter dem prunkvollen Kronleuchter im East Room werden Merkel sicherlich auch im Wahlkampf nicht schaden. Denn Bilder von der Bundeskanzlerin auf dem internationalen Parkett mögen die Wähler besonders gerne.
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