UN-Klimagipfel in Kopenhagen: Obamas Überraschung sorgt für Hoffnung
zuletzt aktualisiert: 05.12.2009 - 15:21Berlin (RPO). In Kopenhagen sollen ab Montag weltweite Klimaziele beschlossen werden. Um die Erderwärmung zu drosseln, müssen vor allem ärmere Länder mitmachen. Diese kündigten an, sich ihr Einverständnis teuer bezahlen zu lassen. Da stellt sich der Westen quer. Jetzt kündigte der US-Präsident überraschend an, an der wichtigsten Sitzung teilzunehmen.
Obama wird nach Angaben des US-Präsidialamtes am 18. Dezember an dem Gipfel in Dänemark teilnehmen. Dann wollen unter anderem auch Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verhandeln. Zuvor war Obamas Teilnahme am 9. Dezember in der Eröffnungsphase geplant. Die Bundesregierung begrüßte die neuen Reisepläne des US-Präsidenten.
"Das ist ein eindeutiges Signal, dass Obama den Erfolg will und mit allem Risiko das Gewicht seiner Person in die Waagschale wirft", sagte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) der "Bild am Sonntag". Auch Greenpeace sprach von einem "sehr wichtigen Schritt". Jetzt bestehe die Chance, dass es ein historischer Gipfel werden könne.
Es geht mal wieder ums Geld
Kurz vor Beginn der Verhandlungen am Montag forderten Umweltexperten klare Finanzzusagen an ärmere Länder. "Wer von den Entwicklungsländern Emissionsminderungen verlangt, der muss auch dafür sorgen, dass die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen", sagte der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner. Noch könne der Gipfel an diesem Punkt scheitern.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte, dass Deutschland in Finanzierungsfrage bislang gebremst habe und seine Blockade endlich aufgeben müsse. Die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, zum Abschluss der Verhandlungen nach Kopenhagen zu reisen, weckte indessen neue Hoffnungen auf einen Durchbruch bei der Konferenz.
Die magischen zwei Grad
Ab Montag verhandeln in Kopenhagen Vertreter aus 192 Staaten über globale Klimaschutzschritte. Ziel ist ein verbindliches Abkommen, um den Klimawandel zu bremsen. Insbesondere geht es darum, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dazu sind weitreichende Zusagen zur Minderung des CO2-Ausstoßes nötig.
Trittin sagte einer Nachrichtenagentur, bei der Festlegung auf CO2-Reduktionen lägen international bereits viele Angebote auf dem Tisch. Diese große Hürde scheine in Kopenhagen überwindbar zu sein, ein bindendes Abkommen sei möglich. "Wenn Europa sich in der Frage der Finanzen nicht bewegt, wird es das allerdings nicht geben", mahnte er. Deutschland und Europa hätten bislang kein verbindliches Angebot für Klimahilfen an ärmere Staaten vorgelegt. Das belaste die Verhandlungen in Kopenhagen.
100 bis 150 Milliarden Dollar pro Jahr
Auch Steiner kritisierte die bislang zögerlichen Finanzzusagen der Industrienationen. "Das ist einer der möglichen Krisenpunkte des Gipfels", warnte er. Steiner rügte auch die Pläne der schwarz-gelben Koalition, die Klimahilfen mit der Entwicklungshilfe zu verrechnen. "Das müssen frische Gelder sein und nicht etwa umgewidmete Entwicklungshilfegelder", forderte er.
Der Klimaexperte des Öko-Instituts in Berlin, Felix Matthes, bezifferte die langfristig notwendigen Finanztransfers für Entwicklungsländer auf insgesamt 100 bis 150 Milliarden Dollar pro Jahr. Er sprach sich für eine internationale Institution aus, die die Gelder verwalten solle.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte die USA auf, bei den Verhandlungen in Kopenhagen eine Führungsrolle zu übernehmen. Ohne feste und ehrgeizige Zusagen der USA würden sich auch China, Indien und Brasilien nicht bewegen.
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