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OECD-Bildungsstudie
Für Arme kaum Aufstiegschancen

OECD-Studie: Es gibt kaum Aufstiegschancen für Arme
Im internationalen Vergleich schneidet das deutsche Bildungssystem besonders gut ab (Symbolbild). FOTO: dpa
Berlin. In Deutschland gelingt der Übergang von der Ausbildung in den Beruf sehr gut. Ein internationaler Vergleich zeigt jedoch, dass Kinder aus bildungsfernen Milieus beim Berufseinstieg Probleme haben. Von Jan Drebes

Deutschlands Bildungssystem schneidet im internationalen Vergleich zwar gut ab. Dennoch bemängeln Experten, dass es nur eine geringe Chancengleichheit zwischen den sozialen Schichten gebe. Das geht aus dem neuen Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, den auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern in Berlin vorstellte.

Darin wurde unter anderem die Gruppe von heute 25 bis 44-Jährigen untersucht, deren Eltern keinen höheren Schulabschluss haben. Den Ergebnissen zufolge gelang nur jedem Zehnten aus solch einem bildungsfernen Milieu ein Abschluss an einer Fachhochschule oder Universität. Von 35 OECD-Ländern schneiden nur sechs Staaten noch schlechter ab als Deutschland.

Damit bestätigt die Studie ein bereits bekanntes Problem, ohne jedoch die Auswirkungen der Massenmigration in den Blick genommen zu haben - die Daten wurden nur bis 2014 erhoben. "Der Bildungsaufstieg aus bildungsfernen Milieus gelingt nur schwer", fasste der OECD-Direktor für Bildung, Andreas Schleicher, das wesentliche Defizit im deutschen System zusammen. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wies darauf hin, dass Bildungserfolg und soziale Herkunft in Deutschland so eng zusammen hingen wie in kaum einem anderen Staat. "Bildung wird weiterhin vererbt", sagte GEW-Chefin Marlis Tepe.

Ein damit verknüpftes Problem betrifft die weiterhin hohe Zahl an Jugendlichen ohne Abschluss. Allein 1,9 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 20 und 34 Jahren haben keine Berufsausbildung, 47.000 Jugendliche haben im Jahr 2014 laut einer Studie der Caritas vom Juli ihre Schule ohne Abschluss verlassen. Auch OECD-Direktor Schleicher betonte, dass Deutschland Nachholbedarf habe. So habe sich der Anteil der Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Bei den heute 25- bis 34-Jährigen liege er bei 13 Prozent und damit nahezu auf dem gleichen Niveau wie bei den heute 55- bis 64-Jährigen. In vielen anderen OECD-Ländern hätte der Anteil der Geringqualifizierten dagegen verringert werden können, sagte Schleicher, etwa in Österreich von 23 auf zehn Prozent oder in der Schweiz von 16 auf acht Prozent.

Entscheidend ist: Nur wer mindestens einen Realschulabschluss erreicht, hat laut OECD Chancen auf einen guten Übergang in Ausbildung und Beruf. Höhere Einkommen und niedrige Arbeitslosigkeit zeigten, "dass sich Bildung lohnt", sagte Schleicher.

Dennoch gab es auch positive Ergebnisse zu vermelden. So sprach Ministerin Wanka von einem stabilen und leistungsfähigen Bildungssystem. Die OECD bescheinigte Deutschland eine "herausragende Stärke" beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Schleicher sagte, der reibungslose Übergang sei nicht nur der guten wirtschaftlichen Lage zu verdanken, sondern auch das Resultat einer soliden, international anerkannten beruflichen Bildung. Zudem strebten deutlich mehr junge Menschen einen höheren beruflichen und akademischen Abschluss an, der Anteil der Dreijährigen in einer Betreuungseinrichtung sei mit 94 Prozent überdurchschnittlich hoch. Und frühkindliche Bildung führe zu besseren Pisa-Ergebnissen, so Schleicher. Eine besondere Herausforderung für die nächsten Jahre bestehe aber darin, auch den vielen neuen Zuwanderern eine Berufsausbildung zu ermöglichen.

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