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Debatte um Pisa-Studie: Özdemir fordert Abschaffung der Hauptschule

zuletzt aktualisiert: 18.11.2008 - 16:02

Frankfurt/Main (RPO). Die Veröffentlichung des Pisa-Bundesländer-Vergleichs hat wie erwartet die Debatte über das gegliederte Schulsystem neu entfacht. Gegenüber unserer Redaktion forderte der neue Grünen-Chef Cem Özdemir die Abschaffung der Hauptschule: "Die Hauptschule ist eine Sackgasse, die endlich abgeschafft werden muss.

Dies bestätige auch das Pisa-Siegerland Sachsen mit seiner Zweigliedrigkeit. "Die Kinder müssen länger gemeinsam und auch voneinander lernen und das am besten in einer Ganztagsschule", so der Grünen-Chef. Falsch wäre es aber, nur über die Schulstruktur zu reden. "Wir brauchen beides: Eine Überwindung des gegliederten Schulsystems und eine Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Ausbildung der Pädagogen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte am Dienstag, zentrale Probleme seien weiterhin mangelhafte Chancengleichheit und ein großer Anteil schwacher Schüler. Sie forderte, alle Schüler müssten mindestens zu einem mittleren Abschluss geführt werden.

Dagegen bezeichnete der Deutsche Philologenverband, die Interessenvertreter der Gymnasiallehrer, die Ergebnisse als "insgesamt erfreulich und positiv". Gymnasien hätten sich als Standortvorteil und Leistungsträger des deutschen Schulwesens erwiesen.

Während die FDP erklärte, die Studie habe gezeigt, dass Länder mit gegliedertem Schulwesen die Nase vorn hätten, erklärten Grüne und Linke, das gegliederte System habe sich überholt. Zumindest die Hauptschule müsse abgeschafft werden.

Kritik an hoher Leistungsspreizung

Als zentrales Problem sahen alle den nach wie vor starken Zusammenhang der Schulleistung mit dem sozialen Hintergrund eines Schülers. "Es muss eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung geben, um mehr Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem zu schaffen", forderte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Der DGB sprach sich für "maßgeschneiderte Förderung für jedes Kind" aus.

BDA-Vizepräsident Gerhard Braun kritisierte die "unerträglich hohen Leistungsunterschiede von bis zu zwei Jahren". Nötig sei vom Kindergarten an ein Stufenplan zur kontinuierlichen Förderung der Sprachentwicklung und des naturwissenschaftlich-technischen Interesses.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Maria Böhmer, sprach von einem alarmierenden Befund für Schüler mit Migrationshintergrund. Der durchschnittliche Listungsrückstand zu deutschen Schülern betrage zweieinhalb Jahre. "Das kann nicht tatenlos hingenommen werden." Bildung sei der Schlüssel für Integration.

Bildungsministerin Annette Schavan forderte "große Anstrengungen" zur Verbesserung der Lesekompetenz. "Hier brauchen wir einen neuen systematischen Ansatz, und wir brauchen in der Gesellschaft eine neue Lesekultur", sagte die CDU-Politikerin. Sie bemängelte, die Leistungsunterschiede im Ländervergleich seien immer noch zu groß.

Nur wenig über Ursachen bekannt

Der Bildungsforscher Olaf Köller kritisierte die Länder Bayern und Baden-Württemberg, die zwar weiter zur Spitzengruppe zählen, aber leicht abgerutscht sind. Man habe "den Eindruck, sie ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus", sagte der Leiter des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der "Stuttgarter Zeitung". Beide Länder hätten in ihren schulpolitischen Weichenstellungen seit der ersten Pisa-Untersuchung 2000 längst nicht die Dynamik entwickelt, die die ostdeutschen Länder nach vorn gebracht habe.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm warnte davor, die Ergebnisse als Rangliste zu sehen. "Wir kriegen Ergebnisse präsentiert, aber wir wissen aus den Pisa-Studien eigentlich relativ wenig darüber, was die Ursachen sind", sagte er im ZDF. Auch über die Art des Unterrichts, aus dem solche Ergebnisse folgten, sei wenig bekannt.

Quelle: ap

 
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