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Özdemir kämpferisch Panorama, ddp 2009-1128
  Foto: ddp, ddp
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Kinder-Bonuskarte: Özdemir will Ganztagsschulen statt Chipkarten

VON B. MARSCHALL UND E. QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 13.08.2010 - 10:14

Berlin (RP). Grünen-Chef Cem Özdemir hat in der Debatte um bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder Ganztagsschulen statt Chipkarten gefordert. "Wer die Bildungschancen von Arbeiter- und Migrantenkindern fördern will, muss sich auf den Ausbau der Infrastruktur konzentrieren und vor Ort Angebote schaffen", sagte Özdemir unserer Redaktion.

"Wir brauchen gute Kindertagesstätten und Ganztagsschulen für alle inklusive eines gesunden, regional erzeugten Mittagessens, das nach Möglichkeit kostenlos ist." Engagierte Sozialpädagogen, Erzieher und Lehrer mit Migrationshintergrund seien sicher mindestens so wirksam wie eine Chipkarte, wenn es um die Verbesserung der Bildungschancen gehe.

Kommunen begrüßen Chipkarte

Unterdessen sind die Pläne von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Einführung der Bildungs-Chipkarte für Kinder bei den Kommunen auf ein positives Echo gestoßen. Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Stephan Articus, lobte vor allem die Idee, eine solche Karte für Kinder aus Hartz-IV-Familien einzuführen.

"Durch eine Chipkarten-Lösung ließe sich für Kinder zum Beispiel der Zugang zu Sportvereinen, Schwimmbädern oder Museen stärker fördern", sagte Articus. Das Chipkarten-System erfordere allerdings "Logistik, die der Bund sicherzustellen hätte".

Info

Die Familiencard in Stuttgart

In Stuttgart erhalten Kinder unter 16 Jahren aus Familien mit einem Jahreseinkommen von unter 60.000 Euro die Familiencard. Familien mit vier und mehr Kindern erhalten die Karte unabhängig vom Einkommen. Auf der Karte sind mehrere "Geld-Börsen" enthalten, die zweckbestimmt mit Guthaben aufgefüllt werden können. So kann etwa ein für den Nachhilfeunterricht bestimmtes Guthaben auch nur dafür verwendet werden. Die Karte wird jährlich mit einem Guthaben von 60 Euro aufgeladen. 2009 wurden mit der Familiencard 3,7 Millionen Euro umgesetzt. Derzeit sind 43.000 Karten im Umlauf.

Das Arbeitsministerium will nicht nur Kinder aus Hartz-IV-Familien mit einer solchen Karte ausstatten. Um eine Stigmatisierung dieser Kinder zu vermeiden, sollen die Karten möglichst für alle Kinder zur Verfügung gestellt werden. Die Einführung der Chipkarte für alle Kinder, wie sie von der Leyen vorschwebt, stehe auf einem zweiten Blatt, meinte Articus.

Schon heute gebe es in vielen Städten über Bonuskarten Ermäßigungen für Familien mit niedrigen Einkommen. Dieses seien jedoch freiwillige Leistungen der Städte. "Inwieweit solche Leistungen in ein Chipkartensystem eingebunden werden können, ist noch näher zu erörtern", sagte Articus.

Die Finanzierung einer Chipkarte für alle Kinder ist aus Sicht der Kommunen nicht ohne Hilfe aus Berlin möglich. "Wenn der Bund eine derartige Leistung für alle Kinder verbindlich vorsehen will, müsste er auch die Kosten vollständig übernehmen", forderte Gerd Landsberg, Chef des Gemeindebunds.

Auch Articus erklärte, eine Chipkarte für alle Kinder "werden die Kommunen nicht flächendeckend anbieten können". Die Städte mit "großen Haushaltsproblemen können solche freiwilligen Leistungen nicht finanzieren".

Quelle: RP

 
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