| 14.06 Uhr

Abbruch des Fackellaufs?
Olympisches Feuer erreicht San Francisco

Proteste beim Olympischen Fackellauf
Proteste beim Olympischen Fackellauf FOTO: AP
San Francisco/Peking (RPO). Das Olympische Feuer ist in San Francisco angekommen. Die Flamme wurde in einer Laterne mit dem Flugzeug von Paris eingeflogen. Nach den massiven Protesten dort erwägt das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Abbruch des Fackellaufs.

Um weitere Störungen des Fackellaufs zu verhindern, haben die Organisatoren die ursprünglich geplante Strecke stark gekürzt. Das Feuer soll nur noch rund zehn Kilometer an der Hafenpromenade entlang getragen werden. Die Strecken über die Golden Gate Bridge und durch den Stadtteil China Town wurden gestrichen. Bis morgen soll das Olympische Feuer an einem geheimen Ort aufbewahrt werden.

Nach den heftigen Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik in Paris und London wird die Zukunft dieser Veranstaltung von IOC-Mitgliedern offen infrage gestellt. Auch in den USA, wo das olympische Feuer am Mittwoch durch San Francisco getragen werden soll, kam es zu ersten Protesten. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte US-Präsident George W. Bush auf, die Eröffnungsfeier in Peking zu boykottieren.

Das australische IOC-Mitglied Kevan Gosper erklärte am Dienstag in Peking, er sei schon immer gegen den internationalen Teil des Fackellaufs gewesen, der erst mit den Olympischen Spielen in Sydney 2000 eingeführt worden sei. Für dieses Jahr wurden 21 Städte außerhalb Chinas ausgewählt. Man habe China vorab darauf hingewiesen, dass London, Paris und San Francisco Orte mit einem gewissen Risiko verbunden seien, sagte Gosper. Das israelische IOC-Mitglied Alex Gilady erklärte, es sei schon vorher überlegt worden, den internationalen Teil des Fackellaufs wieder zu streichen. Diese Diskussion werde jetzt sicher wieder von vorne beginnen.

Fackel am Montag gelöscht

In Paris erzwangen Demonstranten am Montag trotz eines starken Polizeiaufgebots den Abbruch des Fackellaufs. Auch in London war es am Sonntag am Rande des Fackellaufs zu Zwischenfällen gekommen. Die Welle der Proteste gegen die chinesische Tibetpolitik erreichte unterdessen noch vor dem Olympischen Feuer die USA. Drei Demonstranten kletterten am Montag in einer spektakulären Aktion auf die Golden Gate Bridge in San Francisco und hängten die tibetische Fahne sowie zwei Transparente mit der Aufschrift "Freies Tibet 08" und "Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet" auf.

Die geplante Route durch Tibet werde dort möglicherweise weitere Festnahmen zur Folge haben, sagte einer der Demonstranten über Mobiltelefon. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zulassen, dass der Fackellauf durch Tibet führe, werde die Organisation "Blut an ihren Händen haben".

Clinton fordert Boykott

Clinton erklärte, ein Fernbleiben Bushs von der Eröffnungsfeier würde die Bedenken Washingtons wegen des Tibet-Konflikts und der chinesischen Sudan-Politik bekräftigen. Bush hat angekündigt, an der Eröffnungsfeier teilnehmen zu wollen, weil es sich um ein Sport- und nicht um ein politisches Ereignis handle. An dieser Einstellung habe sich nichts geändert, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, am Montag.

Die chinesische Regierung verurteilte die massiven Proteste während des Fackellaufs als Missachtung des olympischen Geistes. Das Außenministerium in Peking pochte am Dienstag zudem darauf, dass die Flamme während der Demonstrationen in Paris nicht gelöscht worden sei. Entsprechende Medienberichte seien falsch, erklärte Ministeriumssprecherin Jiang Yu. Es seien lediglich die Umstände des Laufs vorübergehend geändert worden. Nach Angaben der französischen Behörden wurde die Fackel mehrere Male von der Polizei gelöscht und später wieder an der Flamme entzündet.

(ap)
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