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Mord in JVA Siegburg: Opfer Hermann H. war Heimkind

VON A. RÖHRIG UND D. HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 17.11.2006 - 11:58

Leverkusen (RP). Wenn es warm war, schlief Hermann H. gerne auf den Wiesen, die dort liegen, wo die Wupper in Leverkusen in den Rhein mündet. Wenn es kalt war, boten dem obdachlosen jungen Mann zuweilen Freunde einen Unterschlupf. Sonst tat er das, was der Leverkusener Amtsrichter Thomas Schlaeper "auf Trebe leben" nennt. Er hatte den in der JVA Siegburg getöteten Häftling in der ersten Jahreshälfte 2005 wegen schweren Diebstahls zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der jugendliche Wiederholungstäter mit "einigen Vorstrafen, aber keine dicken Sachen" bekam einen Bewährungshelfer. Zudem musste er Arbeitsstunden leisten. Doch seine Auflagen hielt er nicht ein. "Zu dem Zeitpunkt scheint er sich endgültig abgesetzt zu haben; es gab auch keine gültige Adresse mehr", sagt Schlaeper unserer Zeitung. Anfang 2006 widerrief der Amtsrichter die Bewährung, und der 20-Jährige musste die Haftstrafe antreten.

Auch der Obhut des Leverkusener Jugendamtes hatte sich der junge Mann aus zerrütteten Verhältnissen immer wieder entzogen. Er wuchs im Kinderheim auf, lebte eine Zeit lang bei seinem Vater, wechselte von dort in verschiedene Heime, mal in Münster, mal in Köln. Die Sonderschule in Leverkusen verließ er nach Klasse acht - ohne Schulabschluss. Mit 17 driftete er ab in die Obdachlosenszene. Hermann H., ein Mann, der mit schlechten Chancen ins Leben startete, am Ende unvorstellbar litt.

Warum waren die Wärter in Siegburg nicht auf H.s stundenlanges Martyrium aufmerksam geworden? Samstags, so hieß es gestern im Rechtsausschuss des Landtags, wird den Häftlingen morgens mit dem Frühstück das Abendbrot ausgeteilt. Um 15.30 Uhr ist "Einschluss", werden sie bis zum Wecken um neun Uhr tags drauf eingesperrt. In dieser Zeit schaut im Normalfall niemand mehr in die Zellen.


 
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