kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
guttenberg valentinstreffen dapd 110222 panorama
  Foto: dapd, dapd
Kommentare ()

Plagiats-Affäre: Opposition: Guttenberg betreibt "Demutsgefasel"

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 22.02.2011 - 14:50

Berlin (RPO). Seine Anhänger haben Karl-Theodor zu Guttenberg zuletzt umjubelt. Der Verzicht auf den Doktortitel, das sollte der ersehnte Befreiungsschlag sein, mit dem sich die Lichtgestalt der Union der vermeintlichen Schmutz-Kampagne gegen ihn entledigt. Doch für andere ist die Sache keineswegs beendet. Die Opposition attackiert den CSU-Politiker schärfer denn je.

Auf der Wahlkampfveranstaltung im hessischen Kelkheim ließ Guttenberg die Zuhörer mit seinen umständlichen Sätze noch im Unklaren. Sollte das tatsächlich bedeuten, dass er seinen Doktortitel auf Dauer ablegen wollte? Oder nur bis zum Abschluss der Prüfung in Bayreuth? Erst später wurde bekannt, dass Guttenberg bereits einen Brief an die Universität Bayreuth geschrieben hatte, in dem er um die Rücknahme seines Doktortitels bat.

Auch in anderer Hinsicht bereitete Guttenbergs Erklärung Zweifel. Was sollte das nun für den Medienstar und seine politische Zukunft bedeuten? Guttenbergs Sätze ließen einige Beobachter einen Kotau erkennen, Kritiker eine bodenlose Unverschämtheit.

Wortwörtlich sagte der CSU-Politiker in Kelkheim:

"Und nach dieser Beschäftigung habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde. Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit mir intensiv noch einmal angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen.

Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren? So ist es, dass man den Blick dann zurückwirft und feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der ein oder anderen Stelle, an der ein oder anderen Stelle auch zuviel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren."

Die Union findet's gut

"Gravierende Fehler", der Verzicht auf den Titel, den wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllt - so viel öffentliches Selbstkasteien ist in der Politik tatsächlich selten zu hören. Entsprechend stieß Guttenberg im eigenen Lager auf freudige Zustimmung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ mitteilen, sie finde die Entscheidung des CSU-Politikers richtig. Der baden-württembergische Wahlkämpfer Stefan Mappus (CDU) rühmte Guttenbergs Worte als einen „sehr klugen Schritt“, der aller Ehren wert sei, die rheinland-pfälzische Wahlkämpferin Julia Klöckner zeigte sich erleichtert, nicht auf das Zugpferd Guttenberg verzichten zu müssen. Guttenberg werde bei Wahlkampfveranstaltungen in Rheinland-Pfalz präsent sein.

Immer dasselbe Muster?

Unterstützung erhielt der Minister auch von nicht akut in Wahlkämpfe verstrickten Parteigenossen aus der Union. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner betonte: "Die Union steht hinter Karl-Theodor zu Guttenberg." Er sei "durchsetzungsstark, konsequent und verlässlich" und ein "herausragender Politiker, der höchstes Ansehen genießt", fügte die CSU-Politikerin hinzu.

Die CDU-Leute wissen nur zu gut, was sie an dem Medienstar aus dem Frankenland haben. In den Beliebtheitsumfragen spielt er andere Politiker locker an die Wand – und das, obwohl immer wieder Affären mit sich herumschleppt, die seine Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Kundus, Gorch Fock, Doktorarbeit – immer wieder fragen Kritiker: Wann hat er die Wahrheit gesagt, wann nur die halbe?

Als ob Wasser zu Wein wird

Seinem Ansehen in der Bevölkerung hat das nicht geschadet. In einer am Montagabend veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des ARD-Magazins "Report" äußerten sich 73 Prozent der Befragten zufrieden mit Guttenbergs politischer Arbeit.

Der Mann hat es verstanden, sich als Politiker den gängigen Kategorien zu entziehen. Auch in Kelkheim bringt er es mit einer nahezu ungehörigen Chuzpe fertig, eine Niederlage in einen Sieg zu verwandeln: „Wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde“ - der Redner lobt sein eigenes Handeln.

"Ein Lügner im Kabinett"

Auch andere Unannehmlichkeiten dreht Guttenberg gekonnt ins Positive. „Ich stehe zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe“, sagt er. Dabei geht es doch in der aktuellen Debatte gerade darum, dass er selbst in so vielen Fällen nichts selbst geschrieben hat, sondern vielmehr abgekupfert und als eigenes Gedankengut ausgegeben hat. So wie Guttenberg es darstellt, klingen seine Fehler nur nach schludrigen Nachlässigkeiten aus ferner Jugendzeit.

Die Opposition jedenfalls will sich mit den Erklärungen des Ministers nicht zufrieden geben. Im Gegenteil. Sie tobt und arbeitet sich am Minister ab. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, griff Guttenberg scharf an: "Die Kanzlerin muss sich jetzt fragen, ob ein Lügner im Kabinett bleiben darf", so sein Vorwurf. Mit den Werten der Verfassung und dem Prinzip der Wahrhaftigkeit sei das nicht vereinbar. Minister Guttenberg habe getäuscht und gelogen. Schon unmittelbar nach der Erklärung Guttenbergs hatte Oppermann dem CSU-Politiker einen Realitätsverlust attestiert, "der kurz vor dem Rücktritt kommt."

Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte ebenfalls eine Erklärung des Ministers. "Er hat am Freitag die Unwahrheit gesagt", betonte sie. Am Freitag hatte Guttenberg eingeräumt, seine Dissertation enthalte "fraglos Fehler", das tue ihm "aufrichtig leid". Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch "bewusst getäuscht". Mit Blick auf den nun erklärten Verzicht auf den Doktortitel fügte Roth hinzu, Guttenberg versuche, "mit Demutsgefasel etwas als Kavaliersdelikt darzustellen". "Das war ein dreister Auftritt mit populistischen Mitteln", so Roth.   Das sei nicht akzeptabel.

Quelle: dapd/AFP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Nach dem jüngsten Massaker in Syrien ist in der internationalen Gemeinschaft eine Debatte über einen möglichen Militäreinsatz entbrannt. mehr 

Wie die Politik den Fußball verändern will

Innenminister tagen

Wie die Politik den Fußball verändern will

Die Gewalt in und um Fußballstadien beschäftigt die Innenminister. Auf ihrer Tagung in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie beraten, wie sich R ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Innenminister tagen

Wie die Politik den Fußball verändern will

Die Gewalt in und um Fußballstadien beschäftigt die Innenminister. Auf ihrer Tagung in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie beraten, wie sich Randale verhindern lassen. Das Aus für Stehplätze, Gesichtsscanner beim Einlass, personalisierte Tickets - der ... Von Philipp Stempel  mehr

 

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

 
 

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 

Zukunft des umstrittenen Kohlekraftwerks

Rot-Grün sucht Datteln-Kompromiss

 

Bundespräsident auf Staatsbesuch

Joachim Gauck – Israels kritischer Freund

Top-Services