| 21.28 Uhr

Xi Jingping bei Angela Merkel
Pandamie in Berlin

Das sind die Berliner Pandabären Meng Meng und Jiao Qing
Berlin. Ein Staatsakt für zwei Pandabären: Chinas Präsident Xi Jingping und Kanzlerin Angela Merkel haben "Träumchen" und "Schätzchen" wie Diplomaten im Berliner Zoo empfangen. Die beiden Pandas versetzen die Hauptstadt in Aufruhr. Von Henning Rasche

Das Wappentier des Zoologischen Gartens Berlin ist ein Gorilla. Und so ist es der Gorilla, der im Mittelpunkt steht, als der chinesische Staatspräsident Xi Jingping sein Manuskript am Rednerpult ordnet. Es ist der Gorilla, der auf den Einladungen prangt, auf den Hemden der Mitarbeiter und auf den Mitteilungen des Zoos. Es sind seine letzten Momente des Ruhms, da darf sich der Berliner Gorilla sicher sein. Auch wenn er in Zukunft noch in den Briefköpfen zu sehen sein wird, so sind es nun andere, die in den Vordergrund drängen: Schätzchen und Träumchen. Der Berliner Zoo hat wieder Pandabären.

Damit es dazu kommen konnte, war nicht nur ein vier Jahre währender diplomatischer Drahtseilakt notwendig, sondern auch ein Staatsakt. Weite Teile des Zoos waren gestern abgesperrt - Sicherheitsstufe eins. Einlass durch das Elefantentor erhalten nur Menschen, bei denen das Bundeskriminalamt einen Blick in die Akten geworfen hat. Rote Lampions hängen überall an den Wegen, es werden frittierte Frühlingsrollen gereicht. Bei vielen Besuchern heften lustige Pandasticker an den Revers, bei noch viel mehr Besuchern allerdings heftet ein Knopf im Ohr. Sie sollen nicht die Pandabären bewachen, sondern die beiden Staatsgäste: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Präsident Xi.

Pandabären bekommen Besuch von Merkel und Xi FOTO: ap, vge

Freundschaft zwischen den Völkern

Die beiden Pandabären erhalten einen Empfang, der nicht einmal vielen Botschaftern zuteil wird. Und so ist es nur logisch, dass die Kanzlerin Jiao Qing (Schätzchen, sechs Jahre alt, männlich, 110 Kilogramm) und Meng Meng (Träumchen, drei, weiblich, 83 Kilogramm) als "Sonderbotschafter beider Länder" bezeichnet. Die Pandas, sagt Merkel, stünden symbolisch für die Beziehung zwischen Deutschland und China, die in diesem Jahr 45-jähriges Bestehen der diplomatischen Beziehungen feiern. Xi Jingping wünscht sich, dass die beiden Bären "die Freundschaft zwischen den Völkern vertiefen".

Eine Nummer kleiner geht es nicht. Nicht bei Pandabären, den chinesischen Nationalheiligtümern. Dieser Empfang muss hübsche Bilder abwerfen, wo doch in Hamburg Wasserwerfer auf Demonstranten warten und die Bundestagswahl naht. Tiere helfen da noch mal, die gehen immer. Pandas sowieso. Omid Nouripour ist außenpolitischer Sprecher der Grünen und gießt etwas Wasser in die Panda-Euphorie: "Die niedlichen Bilder von Merkel und Xi mit den Pandas dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Kuschelkurs mit China nicht angebracht ist", sagt er. Merkel müsse aufpassen, nicht "unkritisch" zu wirken.

Die Ankunft der Panda-Bären in Berlin FOTO: dpa, rhi vge

Schätzchen und Träumchen ist dieser ganze Zirkus gleichgültig. Als um 15.47 Uhr der rote Vorhang vor dem "Panda Garden", dem zehn Millionen Euro teuren Gehege, fällt, geht ein "Oooooh" durch das Publikum. Das sind Pandas, echt wahr. Was man nun sieht, ist ein Pandabär (ob Schätzchen oder Träumchen, ist unklar), der auf dem Boden sitzt und Bambus frisst. Von all den staatstragenden Worten, den mehr als 200 Journalisten, den Kameras und den sehr wichtigen Gästen nehmen Jiao Qing und Meng Meng keine erkennbare Notiz.

In Berlin ist gleichwohl die Pandamie ausgebrochen. Die Souvenirshops, in denen es sonst eigenartige Relikte der Mauer und "I love Berlin"-Shirts zu kaufen gibt, haben Plüsch-Pandas in die Schaufenster gestopft. Der Branchenführer Steiff lässt mitteilen, man habe sich hinreichend vorbereitet: "Sollte der Panda-Hype ausbrechen, haben wir genügend Pandabären vorrätig und können schnell nachliefern." Sehr beruhigend.

Pandabären futtern bis zu 70 Kilogramm Bambus am Tag, gern in verschiedenen Sorten. Die Männchen machen einen Handstand, um zu pinkeln. Je höher sie den Baumstamm treffen, desto angesehener sind sie unter ihren Freunden. Ein Pandabär hat mal einem Fotografen einen Finger abgebissen. Und doch gelten Pandas als niedliche und süße Tiere. Ganz unromantisch belegen Statistiken, dass Pandas Publikumsmagneten sind. Im französischen Beauval hat sich die Besucherzahl im Zoo nach der Panda-Ankunft mehr als verdoppelt.

Eine Million Euro Leihgebühr 

Die Berliner Verantwortlichen hoffen auf einen ähnlichen Andrang. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos, Frank Bruckmann, sagt: "Ich gehe davon aus, dass wir da nicht draufzahlen." Die Kosten immerhin sind immens. China verlangt knapp eine Million Euro Leihgebühr pro Jahr, hinzu kommen Futter und Unterhaltskosten. Da müssen die Berliner ziemlich oft in den Zoo gehen.

Merkel und Xi nehmen sich viel Zeit, um das Luxusappartement der Sonderbotschafter zu begutachten. Die Kanzlerin ist detailverliebt und lässt sich alles erklären. Vielleicht ja auch den sieben Meter langen Liebestunnel. Durch diesen sollen Schätzchen und Träumchen zueinander finden, um den Berlinern die nächste Sensation zu bescheren. Besser als Pandas sind nur noch Baby-Pandas. Allerdings sind Panda-Weibchen nur an zwei bis drei Tagen im Jahr paarungsbereit.

Quelle: RP
 
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