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Parlament debattiert heute über Tradition
Parteien wollen Beschneidungen zulassen

Beschneidung bei Männern - das sind die Fakten
Beschneidung bei Männern - das sind die Fakten FOTO: dpa, Bea Kallos
Frankfurt. Die Bundestagsfraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen haben sich auf einen gemeinsamen Antrag zur Zulässigkeit von religiös begründeten Beschneidungen geeinigt. Unterdessen haben sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov 45 Prozent der Deutschen dafür ausgesprochen, die jüdische Tradition zu verbieten.

Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, werde die Bundesregierung aufgefordert, mit einem Gesetz die Straffreiheit der Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen sicherzustellen. Das Parlament werde am heutigen Donnerstag bei seiner außerplanmäßigen Debatte über die Folgen des Kölner Beschneidungs-Urteils die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes für diesen Herbst verlangen. In dem Antrag heißt es laut dem Zeitungsbericht, durch das neue Gesetz müsse gewährleistet werden, dass "eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist".

Dabei müssten das durch das Grundgesetz garantierte Kindeswohl, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Religionsfreiheit und das Recht der Eltern auf Erziehung berücksichtigt werden. Begründet wird die Forderung mit dem Urteil des Kölner Landgerichts, das die Beschneidung eines vierjährigen Jungen aus religiösen Gründen als rechtswidrige Körperverletzung gewertet hatte. Diese Entscheidung habe für Verunsicherung bei jüdischen und muslimischen Gläubigen, aber auch bei Ärzten gesorgt, heißt es laut "Frankfurter Rundschau" (FR) in dem Antrag.

"Jüdisches und muslimisches religiöses Leben muss weiterhin in Deutschland möglich sein", zitiert die FR weiter. Die Beschneidung von Jungen habe für Juden und Muslime eine zentrale religiöse Bedeutung. Sie zähle zu den konstitutiven Elementen im jüdischen Glauben und gelte auch im Islam als unverzichtbar. "Auf der anderen Seite stellt die Beschneidung einen irreversiblen Eingriff in die körperliche Integrität des Kindes dar." Zudem könne es insbesondere bei nicht fachgerecht durchgeführten Eingriffen zu Komplikationen kommen, werde betont. Die Linkspartei ist nach FR-Angaben an dem Antrag nicht beteiligt.

Hälfte der Deutschen gegen Beschneidung

Fast die Hälfte der Deutschen ist für ein Verbot ritueller Beschneidungen von Jungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa sprachen sich 45 Prozent dafür aus, der Jahrhunderte alten islamischen und jüdischen Tradition einen Riegel vorzuschieben. 42 Prozent waren gegen ein Verbot, 13 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema.

Angesichts der internationalen Empörung über das Kölner Urteil glauben 33 Prozent der Befragten, dass ein bundesweites Verbot Deutschlands Ansehen in der Welt schaden würde. 55 Prozent glauben das nicht.

83 Prozent meinen, Religionen sollten mit der Zeit gehen und nicht um jeden Preis an alten Traditionen festhalten. Nur 9 Prozent meinen, eine Modernisierung religiöser Bräuche sei nicht nötig.

(KNA/dpa)
 
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