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Vor dem Parteitag in Köln
Die AfD in der Märtyrerrolle

Vor dem AfD-Parteitag in Köln: Veranstalter hoffen auf friedlichen Protest
Meinung | Berlin. Es ist zu befürchten, dass Köln am Wochenende Chaostage erleben wird. Zehntausende Menschen werden zu Demonstrationen gegen die AfD erwartet – etliche gewaltbereite Gruppierungen haben sich angesagt. Die Sicherheitsbehörden in NRW sind gut vorbereitet. Ob sie die Lage aber wirklich in den Griff bekommen, ist fraglich. Von Eva Quadbeck

Dass die AfD ordentlich Gegenwind bekommt, ist nur zu begrüßen. Die Frage aber ist, ob ein solches Großaufgebot an Demonstranten der Partei nicht zu viel Ehre zukommen lässt. Mit ihrem parteiinternen Streit und den Gegenveranstaltungen zu ihrem Parteitag lenken die Rechtspopulisten für mindestens eine Woche die geballte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Die AfD-Gegner lösen mit ihrem Proteststurm möglicherweise das exakte Gegenteil dessen aus, was sie erreichen wollen: Viel Aufmerksamkeit – positive wie negative – lässt politische Parteien eher in den Umfragewerten steigen, als dass sich Anhänger abwenden.

Die AfD wird sich in ihrer Märtyrer-Rolle inszenieren. Selbst wenn es der Polizei gelingen sollte, Gewaltexzesse zu verhindern, so wird sich die AfD selbstverständlich Proteste, Provokationen und Sachbeschädigungen linksradikaler Gruppierungen zu Nutze machen. Die Rechtspopulisten werden sich als brave Bürger gerieren, die Opfer einer "versifften links-rot-grünen" Republik sind, wie AfD-Chef Jörg Meuthen Deutschland vor knapp einem Jahr verunglimpfte.

Im Maritim-Hotel wird der Parteitag stattfinden. FOTO: dpa, ve gfh

Bei  Demonstrationen gegen die AfD sollte gelten: Weniger ist mehr. Die Rechtspopulisten müssen gezielt und argumentativ gestellt werden. Es kann für die Parteien in NRW nicht ratsam sein, ihren Wahlkampf vor das Tagungshotel der AfD zu verlegen. Ihr Spitzenpersonal hat etliche Gelegenheiten, seine Kritik gegen die AfD publik zu machen.

Für die Sicherung der Kölner Innenstadt kann man der Polizei nur eine geschickte Hand und starke Nerven wünschen.

FOTO: Polizei Köln

 

 
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