Skandal um Organspenden: Patientenbeauftragter befürchtet viele Opfer
zuletzt aktualisiert: 06.08.2012 - 07:05Berlin (RPO). Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CDU), fürchtet, dass der Organspendeskandal zahlreiche Menschenleben kosten wird. Es werde Monate, wenn nicht Jahre dauern, das Vertrauen in die Organspende wieder herzustellen.
Das sagte Zöller einem Medienbericht zufolge mit Blick auf eine nachlassende Spendebereitschaft in der Bevölkerung.
Zöller forderte eine "hohe Strafe" für den verantwortlichen Arzt, wenn dessen Schuld bewiesen werde, sagte er der "Neuen Ruhr Zeitung" (Montagausgabe).
Entzug der Zulassung?
Er würde einen Entzug der Zulassung als Mediziner begrüßen. Eine staatliche Überwachung von Organspenden lehnte Zöller ab. Stattdessen sei vor allem Transparenz notwendig.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) schloss unterdessen Gesetzesänderungen nicht aus. "Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass Lücken im Gesetz die Manipulationen in Regensburg und Göttingen erleichtert oder begünstigt haben, müssen wir handeln", sagte Bahr den "Ruhr Nachrichten".
Verdacht in Göttingen
In Göttingen steht neben dem früheren Oberarzt ein weiterer leitender Arzt im Verdacht, in 23 Fällen Patientenakten manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaften Braunschweig und Göttingen ermitteln wegen Bestechlichkeit beziehungsweise wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte.
Geprüft wird, ob die Bevorzugung bestimmter Patienten bei Organtransplantationen zum Tod anderer Menschen geführt haben könnte, die nicht zum Zuge kamen. Die bayerischen Justizbehörden prüfen, ob es auch am Uniklinikum Regensburg Manipulationen von Krankendaten im Zusammenhang mit Lebertransplantationen gegeben hat.
Ärzte von Regensburg und Göttingen kannten sich
Der beurlaubte Chirurgie-Chef des Universitätsklinikums Regensburg und der Hauptverdächtige im Organspende-Skandal waren nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" seit Jahren sehr vertraut. Die beiden Ärzte hatten sich demnach bereits Mitte der 1990er Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt in Regensburg den Lehrstuhl für Chirurgie übernahm, habe er den Oberarzt in seine Abteilung geholt. Beide seien von da an häufiger ins arabische Ausland geflogen, um dort zu transplantieren.
Nach Angaben des Regensburger Uniklinikums waren vor sieben Jahren jordanische Patienten illegal auf die Warteliste für europäische Transplantationspatienten gelangt. Außerdem hatte der als Hauptverdächtiger geltende Oberarzt ohne Genehmigung eine Leber in Jordanien verpflanzt. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, bestreitet nach Angaben der Göttinger Klinik die Vorwürfe.
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hatte der Chefarzt in Regensburg die bis dahin schleppend verlaufene Karriere des Oberarztes in Gang gebracht. Dieser habe im Alter von 37 Jahren bei ihm promoviert. Auch nach dem Weggang des Oberarztes nach Göttingen hätten die Beiden noch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten miteinander publiziert.
Der Chefarzt habe sogar der Ehefrau des Oberarztes zur Doktorwürde verholfen, schreibt die Zeitung weiter. Die Zahnärztin habe bei ihm über Behandlungsmöglichkeiten bei Leberkrebs promoviert.

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