Die Ex-CSU-Rebellin geht: Paulis leiser Abgang
zuletzt aktualisiert: 30.04.2008 - 20:18Zirndorf/München (RPO). Parteilos ist Gabriele Pauli bereits seit mehreren Monaten. In der Nacht zum Donnerstag scheidet die Ex-CSU-Rebellin nach 18 Jahren nun auch als Fürther Landrätin aus.
Es soll ein leiser Abschied werden: Zur Schlüsselübergabe an ihren Nachfolger um Mitternacht auf der Festung Cadolzburg ist die Presse nicht zugelassen, Interviews will sie "bis auf weiteres" keine mehr geben. "Es ist alles gesagt und geschrieben", sagt sie. Die frühere "CSU-Rebellin" zieht sich von der politischen Bühne zurück - ob ihr ein "Comeback" gelingen wird, ist fraglich.
Schon in den vergangenen Monaten war es ruhig geworden um die "schöne Landrätin". Bereits im November hatte sie nach 30 Jahren einen Schlussstrich unter ihre CSU-Mitgliedschaft gezogen. Der Austritt war letztlich die logische Folge der Entwicklung seit der Rückzugsankündigung von Ex-Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber. In der CSU geriet die Landrätin, die beim Stoiber-Rücktritt durch ihre Bespitzelungsvorwürfe gegen die Staatskanzlei eine entscheidende Rolle gespielt hatte, mehr und mehr in die Isolation.
Schon als sie sich Ende Januar 2007 selbst als mögliche Parteivize ins Gespräch brachte, bekam sie schnell heftigen Gegenwind aus der CSU-Spitze zu spüren. Und als im April der CSU-Vorstand über Paulis Antrag auf eine Mitgliederbefragung zur Stoiber-Nachfolge abstimmte, kam die einzige Ja-Stimme von ihr selbst. Kopfschütteln bei vielen Parteifreunden hatten kurz zuvor auch die umstrittenen Magazinfotos der Landrätin in glänzenden Latexhandschuhen und mit aufgemalter, schwarzer Augenmaske ausgelöst.
Mit einem Paukenschlag schaltete sich die Parteirebellin danach im Juli in den Machtkampf um den CSU-Vorsitz ein. Überraschend kündigte Pauli an, auf dem Parteitag gegen den damaligen bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer anzutreten. Auf nicht minder große Verblüffung und Kritik stieß Mitte September ihre Forderung nach zeitlich befristeten Ehen. Trotz einer emotionalen Rede auf dem CSU-Parteitag Ende September vermochte es Pauli nicht, die Parteibasis für ihre Linie zu begeistern: Sie erhielt nur 2,5 Prozent der gültigen Stimmen und flog anschließend nach 18 Jahren auch noch aus dem CSU-Vorstand.
Eine neue politische Heimat hat die 50-Jährige bislang nicht gefunden. Der Flirt mit den Freien Wählern war zu Ende, bevor es überhaupt zu ersten Gesprächen kam. Und bei der bayerischen FDP heißt es: "Keine politische Zukunft mehr in der CSU zu haben, ist zudem noch lange kein Grund, um zur FDP zu gehen." Dennoch betonte Pauli zuletzt immer wieder, sich auch in Zukunft weiter politisch engagieren zu wollen, ließ aber offen in welcher Form.
Auch ihre beruflichen Zukunftspläne hat die Landrätin bislang nicht genannt. In den Ruhestand kann sich die 50-Jährige jedenfalls noch nicht verabschieden: Eine Sofortpension für die Landrätin lehnte der Fürther Kreistag Medienberichten zufolge kürzlich ab. Sorgen um ihre Zukunft mache sie sich dennoch nicht, beteuerte sie. "Ich denke, meine Möglichkeiten sind breit gefächert", sagte sie in einem Interview.
Ihre Vielseitigkeit stellte Pauli zuletzt mehrfach unter Beweis. Sie posierte nicht nur als Fotomodell, sondern war beispielsweise auch als Lockvogel in der ARD-Show "Verstehen Sie Spaß?" zu sehen. Berichte, sie schreibe an einem Roman über ihre Rolle beim Stoiber-Rücktritt wies sie mehrfach zurück. Ausschließen mag sie eine Karriere als Autorin für die Zukunft aber nicht. Zu "Bunte Online" sagte sie: "Es müsste nicht mal ein Roman werden. Die Wirklichkeit wäre spannend genug."
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