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"Gegen Islamisierung – für Heimatschutz"
Umstrittene Pegida erreicht am Montag auch Düsseldorf

Dezember 2014: Pegida stößt in Dresden auf Widerstand
Dezember 2014: Pegida stößt in Dresden auf Widerstand FOTO: dpa, mhi cul
Düsseldorf. In Sachsen ist der Anteil von Muslimen verschwindend gering. Dennoch mehrt sich in Dresden unter dem Kürzel "Pegida" (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) seit Wochen mit wachsender Dynamik der Protest von Asylgegnern. Die Bewegung ist längst nicht mehr auf Sachsen beschränkt. Am Montag planen sie eine Aktion in Düsseldorf. Radikalismusforscher sprechen von einer potentiell gefährlichen Gruppe. Von Philipp Stempel

Pegida ist ein Phänomen. Vor einigen Wochen waren es nur ein paar hundert Menschen, die da in Dresden auf die Straße gingen. In der vergangenen Woche waren es 5500. In dieser bereits 7500. Es hat den Anschein, als ob in Dresden eine neue Bewegung entstanden ist, die nach ganz Deutschland wabern könnte.

Sie richtet sich auf ihren Kundgebungen gegen die deutsche Asylpolitik. Gegen "Glaubenskriege auf deutschem Boden", wie es auf den Transparenten heißt. Oder "Flüchtlingsheime mit Vollversorgung", während sich deutsche Rentner noch nicht mal mehr ein Stück Christstollen leisten könnten. So zitiert etwa zeit.de einen Redner aus Dresden.

Protestmärsche heißen "Spaziergänge"

Die Proteste vermeiden tunlichst, den Eindruck von Gewalt oder Bedrohlichkeit zu erwecken. Die Demonstrationen heißen bei Pegida "Spaziergänge". Auffallend oft ist auf den Transparenten das Wort "Für" zu entdecken. "Für die Zukunft unserer Kinder." "Für die Erhaltung unserer Kultur." Wer mag da widersprechen?

Es ist eine seltsame Mischung, die sich da zusammenbraut. Auch deswegen, weil diese Mischung üblicherweise nicht mit der Presse sprechen will, gleichzeitig aber behauptet, die Stimme der Bevölkerung zu sein. "Wir sind das Volk", heißt es wieder in Dresden. In Internetforen beschuldigen Pegida-Aktivisten die Presse als "Journalistendarsteller des Mainstream", Wahrheiten zu verdrehen im Versuch, Pegida in die rechte Ecke zu stellen.

Paradoxe Angst

Rechte Ecke? Die Menschen, die auf den Kundgebungen zu sehen sind, machen einen überwiegend bürgerlichen Eindruck. Rentner, Familien und Frauen sind dabei. Sie sind gegen Überfremdung, die Asylpolitik, die "Islamisierung des Abendlandes". Das ist gerade in Dresden paradox. Wie die ARD mit Verweis auf Angaben von Regierung und Behörden berichtet, liegt die Quote der Muslime in Sachsen bei 0,1 Prozent.

Wenn bei Pegida dann von "Heimatschutz" und "Vaterland" die Rede ist, erinnert die Wortwahl an das Vokabular der Rechten. Obgleich sich Pegida in zahlreichen Publikationen im Netz von Rechtsradikalismus distanziert, so stößt sie gerade dort auf begeisterte Zustimmung. In sozialen Netzwerken wird im Dunstkreis der Bewegung dann auch schon mal ganz offen gegen Ausländer gehetzt.

Die Rechtsextremen finden Pediga klasse

So unterstützt auch die NPD die Proteste und lobt sie als "Bewegung für den Erhalt der eigenen Kultur, gegen die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen, für härtere Maßnahmen gegen straffällige Zuwanderer, für die Abschiebung religiös radikalisierter Muslime."

Politologen gehen davon aus, dass sich in Dresden eine gefährliche Mischung zusammengebraut hat. Nach Ansicht der Berliner Radikalismusforschers Hajo Funke verbinden sich Ängste im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung, mit "Rechtspopulismus und weiterreichendem Rassismus", wie der Politiker kürzlich der "Welt" erläuterte.

Nur eine Chiffre

Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Alexander Häussler gilt der Pegida der Islamismus daher nur als Chiffre für ein allgemeines Unbehagen. Gegenüber der ARD ordnet er die Bewegung als "rechts orientiertes Wutbürgertum" ein, das sich mit "Mitgliedern der rechten Szene bis hin zu Personen aus der Hooligan-Bewegung" vermische. Wie innerhalb der Pegida die Grenzen verlaufen, ob es welche gibt, ist derzeit kaum auszumachen.

Dresden ist die Keimzelle. Längst aber haben sich in mehreren deutschen Städten Ableger gebildet. Dresden, Kassel und auch Düsseldorf. Im Netz kursiert ein Flyer, der für den ersten "Spaziergang" in der NRW-Landeshauptstadt am 8. Dezember wirbt. Dort nennt sich der Ableger "Dügida". Die Facebookseite der NRW-Organisatoren haben bis Dienstagmittag bereits mehr als 2100 Menschen abonniert.

Erstmals Widerstand in Dresden

In Dresden traf Pegida am Montagabend erstmals auf Gegenwehr. Den 7500 Asylgegnern standen mehr als 1000 Gegendemonstranten entgegen, wie die Polizei mitteilte. Nach einer Straßenblockade musste das Bündnis der Asylgegner abdrehen und zum Ausgangspunkt zurückkehren. Erneut liefen Rechtsextreme mit.

"Es war deutlich hitziger als in den letzten Wochen", sagte ein Sprecher. Allerdings konnten die Sicherheitskräfte beide Lager trennen, zu Ausschreitungen kam es nicht. Mit einer Neuauflage ist am kommenden Montag zu rechnen.

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