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"Pegida"-Kundgebung und TTIP-Demonstration
Nach dem Galgen sorgt eine Guillotine für Empörung

Pegida mobilisiert wieder Tausende in Dresden
Pegida mobilisiert wieder Tausende in Dresden FOTO: afp, IW
Dresden/Berlin. Der Galgen für Angela Merkel und Sigmar Gabriel bei der "Pegida"-Kundgebung in Dresden hat eine Welle der Empörung ausgelöst. In den sozialen Netzwerken macht nun aber noch ein anderes Bild die Runde. Es zeigt eine blutverschmierte Guillotine für Gabriel und wurde bei der TTIP-Demonstration in Berlin aufgenommen.

Der Ton der "Pegida"-Bewegung wird angesichts der aktuellen Flüchtlingspolitik schärfer. Das zeigte sich am Montagabend bei der Kundgebung in Dresden. Da bezeichnete die ehemalige Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling den Zuzug von Flüchtlingen als "Ansturm der Invasoren", da nannte "Pegida"-Mitbegründer Lutz Bachmann die Bundesregierung "unsere Berliner Diktatoren". Für Empörung sorgte in den sozialen Netzwerken aber ein Papp-Galgen, den einer der Demonstranten mitgebracht hatte und der "reserviert" war für Angela Merkel und Sigmar Gabriel.

Eine Korrespondentin des Deutschlandfunks hatte ein Bild davon gepostet, welches anschließend hundertfach geteilt und kommentiert wurde. 

Lutz Bachmann selbst hat für die Kritik nur Spott übrig, wie ein Facebook-Post von ihm zeigt.

So, da ist der pöhse pöhse "Riesengalgen"... ... wer das" monströse Teil" nicht findet, er ist ca 1,20m lang, aus dü...

Posted by Lutz Bachmann on  Montag, 12. Oktober 2015

Inzwischen aber macht noch ein anderes Bild bei Twitter die Runde, das ebenfalls als Drohung gewertet werden kann. Zu sehen war es aber nicht bei der "Pegida"-Kundgebung, sondern bei der Großdemonstration gegen die Handelsabkommen TTIP und Ceta am Samstag in Berlin. Es zeigt eine blutverschmierte Guillotine und den Text "Pass blos auf Sigmar!" 

Auch das sorgt für Kritik.

Bezüglich des Galgen-Bildes hat die Staatsanwaltschaft Dresden übrigens inzwischen ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet, wie ihr Sprecher Jan Hille dem Sender N24 sagte. Es gehe um den Verdacht der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten. Die Ermittler versuchten derzeit herauszufinden, wer den offenbar selbst gebastelten Galgen mit sich geführt habe, sagte der Sprecher weiter. 

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, verurteilt den bei einer Pegida-Demonstration gezeigten Galgen als Hetze. "Galgen für demokratisch gewählte Politiker zu zeigen, ist einfach widerlich. Das deutet auf die geistige Verfassung der Urheber hin", sagte Wendt unserer Redaktion. Gegen solche Hetze müssten alle Register gezogen werden. Die Verantwortlichen müssten festgenommen und gegen sie strafrechtlich ermittelt werden, sagte Wendt. "Mir bereitet das zunehmende Abgleiten der rechten Szene in Aggressivität Sorge", sagte der Gewerkschaftschef. "Wir beobachten explosionsartig gestiegene Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. So hat es beim NSU und der RAF auch angefangen", warnte Wendt.

 

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