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Bundeswehr: Perverse Rituale im Fallschirmjäger-Bataillon

zuletzt aktualisiert: 21.06.2006 - 17:06

Zweibrücken (rpo). In einer Bundeswehr-Kaserne im rheinland-pfälzischen Zweibrücken wurden Aufnahmefeiern von Unteroffizieren möglicherweise mit perversen Ritualen begangen. So soll einem Soldaten laut einem Pressebericht, "Dörrobst in den Hintern" geschoben worden sein. Die Bundeswehr ermittelt nun intern.

Die Soldaten der betroffenen Kompanie waren für den Kongo-Einsatz vorgesehen gewesen.

Es gebe Hinweise auf drei Fällen aus den Jahren 2004 bis 2006, bei denen es in der Niederauerbach-Kaserne zu entwürdigenden Behandlungen gekommen sein könnte. Das bestätigte der Sprecher der Division Spezielle Operationen in Regensburg, Oberstleutnant Christian von Platen.

Die Ermittlungen dauerten derzeit noch an. Der momentane Sachstand mache aber bereits deutlich, dass bei dem Aufnahmeritual für Unteroffiziere, "das gesunde Maß bei weitem überschritten wurde".

Die "Saarbrücker Zeitung" berichtete am Mittwoch, die frisch ernannten Unteroffiziere im Fallschirmjägerbataillon 263 hätten sich bei dem im pfälzischen Zweibrücken praktizierten Ritual nackt ausziehen müssen und seien anschließend von Kameraden in perverser Weise traktiert worden. Die "Mitteldeutsche Zeitung" schrieb, offenbar hätten Fallschirmjäger mit zweifelhaften Mitteln ihre Männlichkeit unter Beweis stellen wollen.

Es deute aber alles darauf hin, dass bei den obszönen Praktiken kein Zwang oder Gewalt ausgeübt wurde, sondern die Teilnehmer freiwillig handelten, so von Platen. Die Ermittlungen würden von einem Wehrdisziplinaranwalt der Bundeswehr geführt.

"Erschreckend und nicht zu entschuldigen"

Die Unions-Bundestagsfraktion forderte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zum Durchgreifen auf. 

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Bernd Siebert, bezeichnete die Vorgänge in der Fallschirmjägereinheit als "erschreckend und nicht zu entschuldigen". Siebert forderte den Verteidigungsminister auf, die Vorgänge mit aller gebotenen Härte aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: "Soldaten, die sich so verhalten, schädigen den Ruf der Bundeswehr und gehören nicht in die Truppe."

Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat noch nicht entschieden, ob sie eigenen Ermittlungen einleitet. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Eberhard Bayer erklärte, will seine Behörde zunächst die internen Ermittlungen der Bundeswehr abwarten. Sollte sich bestätigen, dass die betroffenen Soldaten an den obszönen Praktiken freiwillig teilgenommen hätten, sei dies kein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Die Soldaten waren für den EU-Einsatz im Kongo vorgesehen. Von Platen sagte, die betroffene Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 263 werde am geplanten Kongo-Einsatz der Bundeswehr nicht teilnehmen: "Wir nehmen die ganze Kompanie da raus." Die Bundeswehr stelle so sicher, dass kein Betroffener in das zentralafrikanische Land verlegt werde.

Das Bataillon 263 umfasst nach seinen Angaben rund 1000 Soldaten. Knapp 100 davon sollen in den Kongo verlegt werden.

Quelle: afp

 
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