kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Professor Schulz-Nieswandt hält Steuerfinanzierung für bedenklich: "Pflege- und Krankenkasse müssen zusammengelegt werden"

VON ANJA WUNSCH - zuletzt aktualisiert: 11.03.2004 - 09:34
Düsseldorf (rpo). Das drohende Loch in der Pflegekasse führt zu verstärkten Rufen nach einer steuerfinanzierten Pflegeversicherung. Warum diese Lösung fragwürdig ist und wie ein Reform aussehen könnte, erläutert der Kölner Professor für Sozialpolitik, Frank Schulz-Nieswandt, im Gespräch mit RP Online.

Herr Schulz-Nieswandt, Sie haben 1990 ein Buch über den Pflegenotstand verfasst. Wie hat sich die Pflegesituation seit der Einführung der Pflegeversicherung verändert?

Schulz-Nieswandt: Die Bevölkerung ist Umfragen zufolge zufriedener mit der heutigen Situation. Insbesondere das Pflegegeld hat zu dieser Einschätzung beigetragen. Alle, die ihre Angehörigen selber pflegen, sehen ihre Arbeit aufgewertet.

Und wie sieht es mit der Pflegequalität aus?

Schulz-Nieswandt: Die ist durch die Zunahme ambulanter Dienste und durch den Wettbewerb ebenfalls verbessert worden.

In der Fachdiskussion ist der Erfolg allerdings umstritten.

Schulz-Nieswandt: Ja, aber das liegt an den höheren Anforderungen. Die Pflegeversicherung ist nur eine Grundsicherung und reicht eben nicht aus, alle Pflegerisiken abzudecken. Hinzu kommt Kritik an dem körperzentrierten Pflegebegriff, der vor allem Demenzkranke ausschließt. Ich bin jedoch der Ansicht, dass eine Sozialversicherung nicht alle Pflegerisiken abdecken kann.

Nun reicht die Pflegeversicherung selbst für diese Grundsicherung anscheinend nicht mehr aus. Welchen Rat würden Sie als Experte der Regierung für eine Reform geben?

Schulz-Nieswandt: Es gibt keine wissenschaftlich optimale Lösung. Wenn ich eine politische Entscheidung fällen müsste, dann würde ich allerdings dafür plädieren, die Pflegeversicherung in die Krankenversicherung einzubinden und die Einnahmen auf eine breitere Basis zu stellen. Es müssten alle Einkunftsarten und alle Bürger in die Finanzierung einbezogen werden.

Was würde sich durch die Verbindung von Kranken- und Pflegeversicherung verbessern?

Schulz-Nieswandt: Die bisherige Trennung führt zu einer schlechten Leistung, weil die Grenzen zwischen Krankheit und Pflege fließend sind. Bestes Beispiel dafür ist der Schlaganfall, der häufig zur Pflegebedürftigkeit führt. Die Menschen kommen zunächst ins Krankenhaus, dann sollten sie in eine Rehabilitationsmaßnahme kommen und hinterher gepflegt werden. Die Krankenkassen haben jedoch ein Interesse daran, die Reha-Kosten einzusparen und die Patienten direkt der Pflege zu überantworten.

Von einer steuerfinanzierten Lösung halten Sie nichts?

Schulz-Nieswandt: Ich halte sie zumindest für problematisch, weil Steuern nicht zweckgebunden sind. Zudem tendieren Steuersysteme oftmals dazu, von unten nach oben zu verteilen. Bestes Beispiel ist die Riester-Rente. Während Menschen mit wenig Einkommen ihr gesamtes Gehalt ausgeben, können sie selbst das bisschen für die Riester-Rente nicht aufbringen. Über die Mehrwertsteuer finanzieren sie jedoch die Riester-Sparer der Mittelschicht mit.

Gibt es Beispiele für bessere Lösungen im Ausland?

Schulz-Nieswandt: Es gibt zumindest bedenkenswerte Lösungen, die auch in Deutschland zu einer weiteren Qualitätsverbesserung führen könnten. In Dänemark gibt es beispielsweise kommunale Sozialbudgets, die eine einheitlichere und ortsnahe Behandlung ermöglichen. Bei uns kommt der Schlaganfallpatient oft in eine Reha-Klinik, die weit von seinem Wohnort entfernt ist. Oft bekommt er dann nur zwei bis drei Besuche von Angehörigen.

Das Gespräch führte Anja Wunsch


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Nach dem jüngsten Massaker in Syrien ist in der internationalen Gemeinschaft eine Debatte über einen möglichen Militäreinsatz entbrannt. mehr 

Wie die Politik den Fußball verändern will

Innenminister tagen

Wie die Politik den Fußball verändern will

Die Gewalt in und um Fußballstadien beschäftigt die Innenminister. Auf ihrer Tagung in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie beraten, wie sich R ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Innenminister tagen

Wie die Politik den Fußball verändern will

Die Gewalt in und um Fußballstadien beschäftigt die Innenminister. Auf ihrer Tagung in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie beraten, wie sich Randale verhindern lassen. Das Aus für Stehplätze, Gesichtsscanner beim Einlass, personalisierte Tickets - der ... Von Philipp Stempel  mehr

 

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

 
 

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 

Zukunft des umstrittenen Kohlekraftwerks

Rot-Grün sucht Datteln-Kompromiss

 

Bundespräsident auf Staatsbesuch

Joachim Gauck – Israels kritischer Freund

Top-Services