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Zum plötzlichen Tod des CDU-Politikers
Philipp Mißfelder stand vor einer großen Zukunft

Porträt: Philipp Mißfelder – langjähriger Vorsitzender der Jungen Union
Porträt: Philipp Mißfelder – langjähriger Vorsitzender der Jungen Union FOTO: dpa, mkx kde axs
Berlin. Bestürzung und Fassungslosigkeit hat die Nachricht vom plötzlichen Tod des 35-jährigen CDU-Außenpolitikers Philipp Mißfelder ausgelöst. "Schrecklich", lautete die Reaktion beim Gedanken an seine junge Frau und seine zwei kleinen Kinder. Von Gregor Mayntz

Mißfelder gehörte zu jenen Politikern, die mit vielen Zukunftserwartungen verbunden waren. CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber sagte sogar voraus, dass der langjährige Bundesvorsitzende der Jungen Union das Zeug habe, irgendwann auch ins Kanzleramt einzuziehen. Das altersbedingte Ausscheiden aus der CDU-Nachwuchsorganisation vor Augen, hatte sich Mißfelder in seinem Heimat-Landesverband Nordrhein-Westfalen gerade im vergangenen Jahr neu aufgestellt und das Amt des CDU-Schatzmeisters übernommen. Um nicht in Interessenskonflikte zu kommen, war er deswegen sogar von seinem Posten als Amerika-Beauftragter der Bundesregierung zurückgetreten.

Damit ließ er zwei Zukunftsplanungen erkennen: Über die Reserveliste weiter im Bundestag und in der Bundespolitik mitmischen zu können, zugleich aber auch mit der NRW-CDU im Land seine Optionen zu erweitern. In ein paar Jahren Staatssekretär, dann irgendwann Minister, das waren die mit dem Namen Mißfelder verbundenen Entwürfe. Als außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion hatte er die Möglichkeit, sein Talent zum globalen Netzwerken auch zur weiteren Eigen-Profilierung einzusetzen.

Mit 14 in die Junge Union, mit 16 in die CDU

Der Gelsenkirchener hatte eine Blitzkarriere gestartet. Mit 14 in die Junge Union, mit 16 in die CDU eingetreten, war er mit 19 bereits Bundesvorsitzender der Schüler Union und im JU-Bundesvorstand. Schon ein Jahr später war er auch Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. 2002 trat er an die Spitze der CDU-Nachwuchsorganisation und sorgte mit seiner Forderung, Hüftoperationen für Senioren zu überdenken, für Schlagzeilen und Empörung.

Er lernte gründlich daraus, legte seine Worte fortan oft erst auf die Goldwaage und leitete zwischen Junger Union und Seniorenunion eine enge Zusammenarbeit ein. Zusammen mit dem SU-Chef Otto Wulff leitete er über viele Jahre das CDU-Projekt "Zusammenhalt der Generationen".

Rüttgers gehörte zu seinen Förderern

Der damalige CDU-Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers gehörte zu seinen Förderern, und auch die Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich so beeindruckt, dass beide ihm schon 2008 mit gerade 29 Jahren den Weg ins Parteipräsidium eröffneten – mal wieder war Mißfelder der Jüngste in einem Spitzengremium. Und da saß er bereits drei Jahre als Abgeordneter für Recklinghausen im Bundestag.

Seine Nebenbeschäftigungen sorgten für Gesprächsstoff. Unter anderem gehörte ein Beratervertrag mit dem teNeues-Verlag dazu. Gleichzeitig eckte er mit einer unabgesprochenen Reise nach Russland in der Fraktion an, als er einer Einladung von Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Geburtstagsempfang für Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder folgte und im kleinen Kreis die sich dramatisch verschlechternden deutsch-russischen Beziehungen erörterte.

Zunächst in Frage gestellt, wurde er dann jedoch mit großer Mehrheit als außenpolitischer Sprecher von seiner Fraktion bestätigt. Verglichen mit seinem Durchmarsch an die Spitze schien seine Entwicklung gleichwohl vorübergehend einen Knick abbekommen zu haben. Aber die meisten Weggefährten waren sich einig, dass dies bei einem 35-Jährigen überhaupt nichts bedeute und er noch in vielen Jahren und Jahrzehnten wichtige Rollen spielen würde – zumal er sich in vielen Gremien, Vereinigungen und Organisationen eine immer breitere Basis für die nächste Entwicklung verschaffte.

Herausragende Kontakte nach Asien

Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte ohnehin schnell mit diesem Zwischenfall abgeschlossen. Jetzt bekennt er, "einen Freund" verloren zu haben, der ihn auf vielen Reisen begleitet habe. Er unterstreicht Mißfelders Eintreten für Israel und für die transatlantischen Beziehungen, seine ausgewiesenen Kenntnisse in Osteuropa und Russland und seine herausragenden Kontakte nach Asien. Auch das unterstreicht, dass die politische Führung der Republik noch viel von Mißfelder erwartete. In NRW, im Bund, in der Welt.

Noch in der vergangenen Woche war er in der außenpolitischen Agenda engagiert, noch am Samstag mit Medien über die komplexe Griechenland-Entwicklung im Gespräch. Die tödlichen Folgen einer Lungenembolie wirken auf das politische Berlin wie ein Schock. Und auf die Menschen, die ihn persönlich kannten, sowieso. Und das waren viele, sehr viele.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft drückte bei Twitter ihre Bestürzung über den Tod von Philipp Mißfelder aus.

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