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Parteitag in Berlin
Philipp Rösler klagt über Umgangsformen in der FDP

Parteitag in Berlin: Philipp Rösler klagt über Umgangsformen in der FDP
Philipp Rösler hielt seine Abschiedsrede als FDP-Chef. FOTO: dpa, Kay Nietfeld
Berlin. In seiner Abschiedsrede als FDP-Chef hat Philipp Rösler beim Parteitag der Liberalen in Berlin deutliche Worte gefunden. Rösler beklagt sich über mangelnde Unterstützung in der Parteiführung. Zuvor hatte der scheidende Generalsekretär Patrick Döring von rassistischen Äußerungen über Rösler an Partei-Stammtischen berichtet.

"Ich hätte mich über ein bisschen mehr Unterstützung im ganzen Team gefreut", sagte Rösler am Samstag auf dem außerordentlichen Bundesparteitag der FDP. Zu oft habe er als FDP-Chef alleine gestanden, ohne dass ein starkes Team ihn unterstützt hätte. Selbstkritisch räumte Rösler dabei auch eigene Versäumnisse ein: "Auch mir ist es nicht gelungen, aus den unterschiedlichen Charakteren ein starkes Team zu bilden."

Die inhaltlichen Ursachen für die Schlappe bei der Bundestagswahl seien bereits vor seiner Wahl zum FDP-Chef 2011 zu suchen, sagte Rösler weiter. Die Partei habe sich mit dem Versprechen von Steuersenkungen zu sehr auf ein Thema reduziert. "Das ist zu wenig für eine liberale Partei in Deutschland", sagte Rösler. "Liberalismus ist mehr als nur ein Thema."

Der scheidende Parteichef räumte ein, dass es ihm nicht gelungen sei, die FDP thematisch breiter aufzustellen. "Am Ende ist es mir nicht gelungen, ein Team zu bilden, unsere Partei zu motivieren und trotz einiger Landtagswahlerfolge die inhaltliche Kehrtwende auch für die Bundestagswahl zu bewirken", sagte Rösler. "Das tut mir am meisten weh."

Rösler rief die Delegierten zu einer kritischen Bestandsaufnahme und zu einem Neubeginn auf. "Nur wenn wir offen die geschehenen Dinge ansprechen, haben wir die Chance, aus den gemachten Fehlern zu lernen, damit sie in Zukunft im Interesse der Partei nicht mehr gemacht werden." Um die Zukunft der FDP mache er sich aber keine Sorgen, beteuerte Rösler. Gerade angesichts der künftigen Koalition aus Union und SPD werde eine liberale Stimme benötigt: "Es ist keine große Koalition für unser Land, sondern eine große Katastrophe."

Döring hatte seiner Partei im Umgang mit Rösler Rassismus vor. An den Stammtischen hätten sich Liberale über "den Vietnamesen" beschwert, sagte Döring der Hannoverschen "Neuen Presse" vom Freitag. "Und manche Abgeordnete haben daneben gesessen und halbherzig widersprochen."

Er beschuldigte zudem Kritiker und Satiriker, immer wieder mit rassistischen Ressentiments gespielt zu haben, was in der FDP "auf fruchtbaren Boden" gefallen sei. Rösler wurde in Vietnam geboren, er wuchs bei Adoptiveltern in Deutschland auf.

Ein Interview mit Wolfgang Kubicki zum Parteitag der Liberalen lesen Sie hier.

(dpa)
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