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Sie fordert totale Internet-Freiheit: Piratenpartei will fünf Prozent bei Wahl

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 04.07.2009 - 09:23

Berlin (RP). Sie sind jung, sie nennen sich "Piraten" und sie wollen das politische Establishment entern. Die "Piratenpartei" will bei der Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und hat sich als Ziel die Freiheit des Internet auf die Totenkopffahne geschrieben.

 Foto: ddp, ddp
Foto: ddp, ddp

Die 3200 Mitglieder setzen sich für das kostenlose Herunterladen von Filmen, Videos und Musikdateien im Internet und die Abschaffung geistiger Urheberrechte ein. An diesem Wochenende treffen sie sich in Hamburg zum Parteitag. Meinungsforscher trauen den jungen Internet-Aktivisten noch keine Überraschung zu.

"Die Freiheit des Netzes ist keine politische Aufgabe. Wenn die Piraten ein Prozent erreichen, ist das schon ein Erfolg", sagt Klaus-Peter Schöppner, Leiter des Instituts TNS Emnid. Mittelfristig müsse sich herausstellen, ob die Partei die Internet-Gemeinde hinter sich versammeln kann. Prominentes Mitglied ist der unter Kinderpornoverdacht stehende frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss. Er hatte aus Protest gegen das Gesetz zur Sperrung von Kinderporno-Seiten die SPD verlassen. Tauss und die "Piraten" kritisieren die automatische Sperrung als Einstieg in die Zensur.

Internet-Experten halten die Ziele der Politpiraten indes für ökonomisch plausibel. "Dahinter steckt mehr als eine Umsonstmentalität. Im Internet sind viele geistige Urheberrechte unnötig", sagt Klemens Skibicki, Wirtschaftsprofessor an der FH Brühl und Web-2.0-Buchautor ("Lexikon der Internetfallen").

Urheberrechte würden zwangsläufig überholt, weil sich aus einem unerschöpflichen Potenzial im Netz Wissen sammelt und kostenlos ausgetauscht wird. Das beweise etwa das Online-Lexikon "Wikipedia", bei dem weltweit Millionen Autoren freiwillig und gratis ihr Wissen zur Verfügung stellen, so Skibicki. Der Brockhaus stellte seine Printausgabe inzwischen ein. "Das mag bedauerlich sein, aber gesamtwirtschaftlich gesehen wird ein nutzenstiftendes Gut jetzt kostenlos für alle bereitgestellt."

Quelle: RP

 
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