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Interview mit Plagiatsjägerin Weber-Wulff
"Plagiate sind schlichtweg unfair"

Leserstimmen zum Plagiats-Fall Guttenberg
Leserstimmen zum Plagiats-Fall Guttenberg FOTO: dapd
Berlin (RP). Professor Debora Weber-Wulff ist eine der führenden "Plagiatsjäger" der Internetplattform "VroniPlag Wiki". Nach Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste nun auch FDP-Frau Silvana Koch-Mehrin aufgrund der Recherchen der Internetfahnder ihren Doktortitel abgeben. Weitere Überraschungen könnten folgen, sagt die Dozentin für internationale Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Frau Weber-Wulff, wie kommt man dazu Plagiatsjäger auf "VroniPlag Wiki" zu werden?

Weber-Wulff Nun, ich mache jetzt schon seit zehn Jahren Plagiatsarbeit. An "VroniPlag Wiki" bin ich mehr oder weniger zufällig gestoßen. Ich habe hobbymäßig immer schon viel für die Online-Enzyklopädie Wikipedia geschrieben und irgendwann stieß ich dann auf "VroniPlag Wiki", das ja nach demselben System funktioniert. Jeder kann mitmachen, Einträge verfassen oder ändern.

Was gibt Ihnen den Ansporn Plagiate im Internet aufzudecken?

Weber-Wulff Das ist ganz einfach. Dissertationen, die nicht von einem selbst stammen sind schlichtweg unfair. Leute, die Jahre lang eigenständig an ihrer Dissertation gesessen haben, werden dadurch einfach betrogen. Gerade bei Politikern ist die Sachlage schlimm. Denn will man von jemandem regiert werden, der bei seiner Doktorarbeit förmlich gelogen hat? Ich denke und hoffe nicht.

Wie kann man sich den Weg einer verdächtigen Dissertation bis zur endgültigen Plagiatsbeschuldigung vorstellen?

Weber Wulff Das läuft eigentlich immer so ab, dass Freiwillige bewusst oder mehr zufällig auf die Dissertation zum Beispiel eines Politikers stoßen. Es fallen dann Textpassagen auf, die zu diversen Veröffentlichungen im Internet oder in Büchern identisch sind. Sind mehr als zehn Prozent der Dissertation kopiert, schalten wir uns ein. Wir haben einen engeren Kern von 15 bis 20 Leuten – alles Doktoranten – die dann in die intensive Recherche gehen. Prinzipiell kann aber jeder in der Arbeit recherchieren. Finden wir dann mehr als 30 Prozent Plagiate, unterrichten wir die betreffende Universität.

Werden noch weitere Politiker folgen?

Weber-Wulff Ja. Wenn sie plagiiert haben, auf jeden Fall. Es kann einfach nicht im Interesse aller sein, wenn jemand seinen unrechtmäßigen Doktortitel wie beispielsweise im Fall Koch-Mehrin, fröhlich vor sich herträgt und davon auch noch in gewisser Weiße profitiert. Wozu brauchen Politiker überhaupt einen Doktortitel?

Die Fragen stellte Phillipp Jacobs.

(felt)
 
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