Wege aus der Babyflaute: Politiker fordern Mütterquote
zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 - 16:20Düsseldorf (RPO). Die aktuelle Geburtenstatistik alarmiert Politiker und Bevölkerungsforscher: Vorläufigen Schätzungen zufolge wurden noch nie so wenige Kinder in Deutschland geboren wie 2009. Einige konservative Politiker und Experten fordern nun die Bevorzugung von Müttern im Arbeitsleben. Das Motto der Stunde lautet: demographische Offensive.
Angesichts der jüngsten Zahlen fahren einige Politiker schwere verbale Geschütze auf. Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, forderte in der "Welt am Sonntag" ("WamS") eine "demographische Offensive".
Auch die bekannte Bevölkerungswissenschaftlerin Herwig Birg spricht sich für die Quote aus. Die bisherige Familienpolitik hält sie für gescheitert, weil sie gar nicht das Ziel habe, die Geburtenrate anzuheben. "Warum soll es keine Mütterquote statt Frauenquote geben?" Dies würde Frauen helfen, die Familienlasten zu tragen, sagte sie der Zeitung.
Auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) denkt laut über eine solche Maßnahme nach. "Mütter erleiden nach der Geburt einen Ansehensverlust in der Arbeitswelt wie nirgendwo sonst auf der Welt", sagte sie der "WamS".
Alle bisherigen Maßnahmen der Politik, die Geburtenrate zu stärken, haben bisher keine Früchte getragen: Vor drei Jahren wurde das Elterngeld eingeführt, auch der Ausbau von Krippenplätzen stand auf der Agenda sowohl der Großen Koalition als auch der schwarz-gelben Regierung. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will bis 2013 sogar einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige garantieren.
Doch das alles half wenig: Im vergangenen Jahr sind so wenige Kinder in der Bundesrepublik geboren worden wie noch nie zuvor. Nach vorläufigen Ergebnissen kamen 2009 651.000 Jungen und Mädchen zur Welt, wie das Statistische Bundesamt in dieser Woche mitteilte. Das waren rund 30.000 oder 3,6 Prozent weniger als 2008.
Schröder machte die gesunkene Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter für den Geburtenrückgang verantwortlich. Allein in den vergangenen vier Jahren ging die Zahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren um eine halbe Million zurück, wie die CDU-Politikerin erklärte.
Positiv sei aber, dass die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau weitgehend stabil geblieben sei. Schröder bekannte sich zum weiteren Ausbau der Kleinkindbetreuung und betonte: "Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird kommen."
Statistikprofessor Gerd Bosbach wies bereits vor einiger Zeit in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP darauf hin, dass es generell keine neue Entwicklung sei, dass in Deutschland der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung sinkt: "Diese angeblich neue Dramatik gibt es seit mindestens 130 Jahren", sagte Bosbach.
Dabei habe Deutschland aber eine viel dramatischere Entwicklung hinter sich, als sie für die Zukunft prognostiziert werde: "1900 war fast jeder Zweite in Deutschland Kind oder Jugendlicher, im Jahr 2000 nur noch fast jeder Fünfte, 2050 soll es jeder Sechste sein", erklärte er.
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