Bewegende Trauerfeier in Köln: Politiker nehmen Abschied von Wischnewski
zuletzt aktualisiert: 07.03.2005 - 12:07Köln (rpo). Mit einer bewegenden Trauerfeier im Kölner Gürzenich haben Familienmitglieder und politische Weggefährten Abschied vom verstorbenen SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski genommen. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt würdigte Wischnewski als "vorbildlichen Staatsmann" und "guten Menschen". SPD-Chef Franz Müntefering bezeichnete ihn als "Kämpfer für sozialdemokratische Ideen" und sprach von einem "Ausnahmepolitiker".
Schmidt betonte: "Ich habe einen guten Freund verloren." Der Tod dieses Mannes habe ihn tief getroffen. Ihn und Wischnewski habe die Erfahrung des Krieges geeint, die sie beide zu Sozialdemokraten gemacht habe. Auf den Freund habe man sich in jeder Lebenslage verlassen können, hob Schmidt hervor. Er sei sich stets treu geblieben, urteilssicher gewesen, aber niemals ein Ideologe.
Mit dem Satz "Die Arbeit ist erledigt" beendete der Alt-Bundeskanzler seine Rede, es waren dieselben Worte, mit denen ihm Wischnewski 1977 die erfolgreiche Geiselbefreiung in Mogadischu gemeldet hatte.
Der Generaldelegierte Palästinas in Deutschland, Abdallah Frangi, erinnerte an Wischnewskis Einsatz für die Sache der Palästinenser. "Er hat mir in Deutschland viele Türen geöffnet", betonte Frangi. Wischnewski sei stets "ein Mann des Friedens" gewesen.
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) würdigte das internationale Engagement "Ben Wischs", besonders im afrikanischen und arabischen Raum: "Seine Leidenschaft für eine Politik, die Frieden durch Zusammenarbeit sichert, wird uns immer antreiben. Internationale Politik als Friedenspolitik ist sein Vermächtnis, das wir fortführen", sagte sie.
Ein überzeugter Sozialdemokrat
1922 im ostpreußischen Allenstein geboren, war Hans-Jürgen Wischnewski seit 1946 SPD-Mitglied. In seiner Partei war er unter anderem Bundesgeschäftsführer, stellvertretender Vorsitzender und Schatzmeister. Im Bundestag saß Wischnewski von 1957 bis 1990.
Wischnewski wurde mit zahlreichen Sondermissionen beauftragt, unter anderem 1977 im Zusammenhang mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu. Durch seine besonderen Kenntnisse der afrikanischen und arabischen Verhältnisse erlangte er große internationale Anerkennung. Das brachte ihm auch den von Willy Brandt geprägten Spitznamen "Ben Wisch" ein.
"Die Kölner Sozialdemokraten haben einen väterlichen Freund verloren", sagte Kölns SPD-Chef Jochen Ott. Der Oberbürgermeister der Domstadt, Fritz Schramma (CDU), würdigte den "gelernten Kölschen" als "leidenschaftlichen Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit."
An der Gedenkfeier nahmen zahlreiche ehemalige Spitzenpolitiker teil, darunter der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff, der ehemalige NRW-Innenminister Burkhard Hirsch (FDP), der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel sowie Alt-Bundespräsident Walter Scheel.
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