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"Der gegenwärtige Zustand widert mich an": Politiker verurteilen Kampagne gegen Seehofer

zuletzt aktualisiert: 16.01.2007 - 16:25

München (RPO). Nach Berichten über eine angebliche außereheliche Affäre von Verbraucherschutzminister Seehofer (CSU) verurteilen zahlreiche Politiker diese offenbar gesteuerte Kampagne. An einen Zufall, dass entsprechende Berichte ausgerechnet jetzt öffentlich werden, glaubt so recht niemand. Auch Ex-Finanzminister Waigel zeigt sich entsetzt. Er kennt solche Kampagnen aus eigener Erfahrung.

Seehofer gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Edmund Stoiber als neuer CSU-Chef. Dass die Gerüchte über die Beziehung zu einer anderen Frau, die von Seehofer schwanger sein soll, ausgerechnet jetzt öffentlich werden, erscheint Beobachtern als eine gezielte Kampagne.

Die CSU-Landtagsfraktion hat diese Berichte über Seehofer einhellig verurteilt. "Wir verurteilen solche Kampagnen. Das gilt für Landrätinnen ebenso wie für Bundesminister", sagte Fraktionschef Joachim Herrmann am Dienstag in Kreuth.

Wissenschaftsminister Thomas Goppel vertrat die Ansicht, die Indiskretionen fielen auf die zurück, die sie gestreut hätten: "Der Seehofer war immer ein Sachpolitiker und noch nie ein Moralapostel. Die Moralapostel kriegen jetzt den Ärger."

Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) verteidigt Seehofer. Anders als vor 50 Jahren disqualifiziere sich ein bayerischer Politiker nicht für hohe Ämter, wenn er evangelisch oder Franke sei oder eine außereheliche Beziehung habe, sagte Beckstein am Dienstag am Rande des Treffens der EU-Justiz- und -Innenminister in Dresden.

Theo Waigel kennt diese Spielchen aus eigener Erfahrung

Entsetzt über den Zustand seiner Partei zeigt sich auch der ehemalige Finanzminister Theo Waigel (ebenfalls CSU). Waigel dürfte sich in diesen Tagen an das Frühjahr 1993 erinnert fühlen, als er selbst noch CSU-Chef war und sich mit Stoiber einen heftigen Machtkampf um die Nachfolge von Ministerpräsident Max Streibl (CSU) lieferte.

Damals machten Gerüchte über Waigels gescheiterte Ehe und seine Beziehung zu Ex-Skistar Irene Epple die Runde. Waigel musste seine Ambitionen schließlich aufgeben. Der Illustrierten "Bunte" sagte er laut Vorabbericht, die CSU sei in der größten Krise seit 1948. Er fügte hinzu: "Der gegenwärtige Zustand widert mich an."  

Die Diskussion um die Zukunft Edmund Stoiber geht indes weiter. Der CSU-Landtagsabgeordnete Sebastian Freiherr von Rotenhan forderte den Ministerpräsidenten erneut offen zum Rücktritt aufgefordert. "Wir wissen alle ganz genau, dass Edmund Stoiber nicht mehr zu halten ist", sagte er am Dienstag im Berliner Inforadio.

"Er soll erklären, dass er zurücktritt." Von Rotenhan kritisierte auch die Unentschlossenheit der Partei- und Fraktionsführung scharf. Man müsse den "kollektiven heuchlerischen Eiertanz" nun endlich beenden.

Westerwelle: Vorgang "völlig inakzeptabel"

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle nannte es völlig inakzeptabel, dass in der CSU jetzt sogar unter der Gürtellinie argumentiert werde. Die große Mehrheit der Bevölkerung wende sich mit Abscheu ab. "Politik muss Grenzen des Anstands haben", unterstrich Westerwelle.


 
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