Plagiats-Affäre: Politologe: Guttenberg verhält sich "clever"
zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 10:18Passau (RPO). Im heftigen öffentlichen Echo, das der Plagiatsverdacht gegen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ausgelöst hat, werden nun auch Stimmen laut, die dem Minister einen cleveren Umgang mit der Affäre zusprechen. So äußerten sich etwa mehrere Politikwissenschaftler zum Thema. Auch Edmund Stoiber stärkte dem angeschlagenen Parteifreund den Rücken.
Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Uni Duisburg-Essen hat den Umgang von Verteidigungsminister zu Guttenberg mit der Plagiat-Affäre als "clever" bezeichnet. "Es kann sein, dass am Ende die Mehrzahl der Wählerinnen und Wähler sagen wird: Gut, jeder macht mal Fehler, schreibt mal ab. Dann könnte die Sache für den Politiker zu Guttenberg ausgestanden sein", sagte Korte der "Passauer Neuen Presse".
Als Verteidigungsminister sei Guttenberg allerdings angezählt. "Aber ich würde ihn nicht gleich abschreiben in seiner Popularität", fügte Korte hinzu. Guttenberg "ist eine der letzten charismatischen Persönlichkeiten in der Politik." Entscheidend seien nicht seine Fehler in der Doktorarbeit, sondern wie er damit umgehe.
Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth ist überzeugt, dass Guttenberg durch die Affäre am Ende politisch gestärkt werde: "Ein Spitzenpolitiker muss Schrammen haben, muss durch Stahlgewitter gegangen sein. Das erdet ihn, das macht ihn menschlicher", sagte Langguth Onlineausgabe der "Bild"-Zeitung.
Der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Emnid, Klaus-Peter Schöppner, sieht ebenfalls keinen politischen Schaden für Guttenberg. "Selbst wenn er am Ende auf den Doktortitel verzichten sollte, würde ihn das nur menschlicher machen." Ein Doktortitel mache noch keinen guten Politiker, sagte Schöppner der Zeitung. "Die Deutschen vergeben gerne demjenigen, der Schwächen zugibt, Fehler bereut."
Stoiber stellt sich hinter zu Guttenberg
Auch der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber hat nach den Plagiats-Vorwürfen gegen den Verteidigungsminister seinem Parteifreund zu Guttenberg den Rücken gestärkt. Guttenberg müsse als Minister vor allem nach seinen politischen Leistungen und Fähigkeiten beurteilt werden, sagte Stoiber in der Onlineausgabe der "Bild"-Zeitung.
"Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Viele erfolgreiche Politiker in Deutschland mussten schon schwierige Situationen bestehen", fügte Stoiber hinzu.
Bruder beerbt Guttenberg als Ordensträger
Ohne den diesjährigen Ordensritter Karl-Theodor zu Guttenberg wird indes am Samstag in Aachen der karnevalistische "Orden wider den Tierischen Ernst" verliehen. Der Aachener Karnevalsverein hatte Verteidigungsminister Guttenberg mit der jecken Auszeichnung ehren wollen. Dieser sagte seine Teilnahme jedoch bereits Ende Januar ab. Als Begründung nannte er seinerzeit die angespannte Lage in Afghanistan.
Nun wird sein jüngerer Bruder Philipp zu Guttenberg als "Knappe" die Ehrung entgegennehmen und auch die "Ritterrede" halten. Philipp zu Guttenberg ist seit rund einem Jahr Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer. Der 37-Jährige lebt mit seiner Frau und drei Kindern am Chiemsee.
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