Fall Ermyas M.: Polizei verfolgt neue Hinweise
zuletzt aktualisiert: 20.04.2006 - 07:19Potsdam (rpo). Nach dem Mordanschlag auf den Deutsch-Afrikaner Ermyas M. hat die Polizei neue Hinweise auf die Täter. Die Ermittler werteten Informationen aus, die nach der Veröffentlichung von Stimmen der Täter eingegangen seien. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte die Tat als abscheulich.
Der aus Äthiopien stammende Ingenieur, der seit 19 Jahren in Deutschland lebt, war am Ostersonntag zusammengeschlagen worden. Der 37-Jährige liegt seit einer Schädeloperation am Montag im künstlichen Koma. Sein Zustand war auch am Mittwochnachmittag weiterhin lebensbedrohend, wie eine Sprecherin des Potsdamer Klinikums sagte. Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm sagte, man habe zwar noch keine heiße Spur. Er sei aber zuversichtlich, dass die Schläger gefasst würden.
Mehr als 500 Potsdamer beteten am Mittwochabend in der überfüllten Potsdamer Friedenskirche während einer Andacht für seine Genesung. "Erschrecken, Abscheu, Wut und Trauer führen uns heute hier her", sagte Superintendent Bertram Althausen.
Merkel verurteilte den Überfall als "abscheuliche, brutale und menschenverachtende Tat", wie Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin sagte. Die Kanzlerin begrüßte demnach ausdrücklich, dass der Generalbundesanwalt den Fall an sich gezogen habe.
Mitschnitt der Täterstimmen
Die Ermittlungen laufen allerdings weiter bei der Potsdamer Polizei, deren Sonderkommission am Mittwoch auf 25 Mitglieder aufgestockt wurde. Die Beamten riefen Zeugen der Tat auf, sich zu melden. Zudem wurde eine Telefonnummer eingerichtet (0331-28353777), unter der ein Mitschnitt des Überfalles abgehört werden kann. Die bereits am Vortag im Internet veröffentlichte Aufnahme kam zu Stande, weil das Opfer kurz vor dem Angriff versucht hatte, seine Frau anzurufen, aber nur deren Mailbox erreichte. Weil darauf die Täter unter anderem mit den Rufen "Scheiß Nigger" zu hören sind, gehen die Ermittler von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus.
Schönbohm äußerte sich jedoch zurückhaltend zum Hintergrund des Überfalles. "Ich weigere mich, voreilige Schlüsse zu ziehen", erklärte der CDU-Politiker. "Sicher ist eins: Ein Mensch ist in Potsdam angegriffen und schwerst verletzt worden. Er hat eine schwarze Hautfarbe. Daraus kann man vermuten, dass es einen Zusammenhang gibt. Aber wie die Tat abgelaufen ist, weiß man nicht."
Spendenkonto für das Opfer
Für die Ergreifung der Täter hat die Staatsanwaltschaft 5.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Der Präsident der Leibnitz-Gemeinschaft, Hans Olaf Henkel, hat zudem weitere 5.000 Euro versprochen. Der Verein "Brandenburg gegen Rechts" richtete ein Spendenkonto ein. Das Geld werde direkt dem Opfer und seiner Familie zu Gute kommen, sagte Vereinsgeschäftsführer Lars Krumrey. In der Potsdamer Friedenskirche war für den Abend eine Andacht mit Gebeten für die Genesung des Opfers geplant.
Spendenkonto "Brandenburg gegen Rechts e.V."
Mittelbrandenburgische Sparkasse
Konto: 350 201 97 55
BLZ: 160 500 00
Stichwort: Löwenherz
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