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Zugriffe in Dortmund, Duisburg und Tönisvorst
Zwei mutmaßliche IS-Terroristen in Untersuchungshaft

Polizei verhaftet fünf IS-Terroristen in NRW und Niedersachsen - zwei in Untersuchungshaft
Eine der Razzien fand in Tönisvorst statt. FOTO: RPO
Düsseldorf. Den deutschen Behörden ist ein wichtiger Schlag gegen IS-Terroristen gelungen: Polizisten in NRW und Niedersachsen haben insgesamt fünf Männer festgenommen, darunter wohl die Nummer 1 des IS in Deutschland. Zwei der Festgenommenen sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Zwei der fünf am Dienst festgenommenen mutmaßlichen IS-Unterstützer sind in Untersuchungshaft genommen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Die drei anderen IS-Verdächtigen, darunter der 32 Jahre alte Iraker Abu Walaa, sollen am Mittwoch dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Die Sicherheitsbehörden hatten Dienstagmorgen bei Einsätzen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die fünf Männer gefasst. Sie sollen nach Angaben der Bundesanwaltschaft Freiwillige für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rekrutiert haben. 

Wie die "Tagesschau" berichtet, soll der sogenannte "Prediger ohne Gesicht" unter den Verhafteten sein. Der 32-jährige gebürtige Iraker nennt sich "Abu Walaa". Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gilt der Mann, der eigentlich Ahmad Abdelazziz A. heißt, bereits seit Jahren als zentrale Figur der deutschen Islamisten.

Nach Informationen unserer Redaktion fanden die Durchsuchungen und Festnahmen in NRW in den Städten Dortmund, Duisburg und Tönisvorst statt. 370 Polizisten waren im Einsatz. Zwei der fünf Terrorverdächtigen wurden in NRW festgenommen. Der dritte Verdächtige wohnt zwar in Tönisvorst, wurde aber in Niedersachsen gefasst. Der NRW-Innenminister Ralf Jäger sagte: "Den Festnahmen sind umfassende und intensive gemeinsame Ermittlungen des Generalbundesanwalts und des Landeskriminalamtes vorausgegangen. Uns ist heute ein wichtiger Schlag gegen die salafistischen Strippenzieher und IS-Unterstützer gelungen."

Abu Walaa waren die Ermittler in Tönisvorst (Kreis Viersen) schon vor Wochen auf der Spur. Die Gelderner Straße im Ortsteil St. Tönis war im August 2016 schon einmal Ziel einer Razzia. Damals ließ die Staatsanwaltschaft NRW Quartiere von Salafisten durchsuchen. Damals wurde Abu Walaa in Tönisvorst vermutet. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll ihn das Bundesinnenministerium ihn 2012 als "hoch konspirative Person" und als "führenden Prediger" eingestuft haben. 

Die Bundesanwaltschaft ermittelt bereits seit Herbst 2015 gegen den Iraker und die mutmaßlichen Helfer. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den sogenannten "Heiligen Krieg", den Dschihad, angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben.

In einer Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft wird der Haftbefehl gegen die fünf Männer erläutert. Unter ihnen befindet sich der 50-jährige Hasan C.. Der Mann ist vermutlich in Duisburg-Rheinhausen verhaftet worden. Die Beschuldigten werden am Dienstag und Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihnen den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird.

IS-Aussteiger half den Behörden

Hilfe und Hinweise erhielten die Behörden den Berichten zufolge insbesondere von einem IS-Aussteiger. Der 22-Jährige war nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt. Bevor er Ende September nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe der Mann NDR, WDR und "SZ" in der Türkei ein Interview gegeben, in dem er den Iraker "Abu Walaa" schwer belastet und als "die Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet habe. Die Beschuldigten hätten - soweit sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert hätten - eine Verbindung zum Terrorismus verneint.

Erst im August sei es zu Durchsuchungen gekommen. Unter den durchsuchten Objekten sei eine Moschee in der Hildesheimer Nordstadt gewesen, die als bundesweit bedeutender Treffpunkt der salafistischen Szene gilt. Sicherheitsbehörden hätten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Hildesheimer Moschee zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen war.

(felt/dafi/dpa)
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