Peer Steinbrück hält das Kanzlergehalt für zu niedrig - und erweckt damit den Eindruck, er wolle des Geldes wegen ins Amt. In den Kommentaren vom Montag macht sich angesichts des neuen Fehltritts Staunen, zum Teil Fassungslosigkeit breit. Die Pressestimmen.
Rheinische Post: "Er wollte nur ausdrücken, dass Politiker nicht des Geldes wegen nach Ämtern streben. Mit seiner zuspitzenden Art ist er Opfer der eigenen Rhetorik geworden."
Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Genossen müssen sich mit der Frage beschäftigen, wohin man mit einem Spitzenkandidaten kommt, der einen perfekten Wahlkampf für den Gegner macht. Und diese Frage ist einfach zu beantworten. Er kann es nicht."
Süddeutsche Zeitung: "Bei diesem Satz bleibt nichts anderes, als sich an den Kopf zu greifen und zu denken: Der hat sie doch nicht alle, dass er das jetzt so sagt."
Ludwigsburger Kreiszeitung: "Das grenzt an politisches Harakiri, wenn man im Wahlkampf doch eigentlich auf solche Themen wie Gerechtigkeit und soziale Verantwortung setzen will."
Mitteldeutsche Zeitung: "Union, FDP und Linke können sich jede Polemik sparen. Wenn er so weitermacht, erledigt sich Steinbrücks Kandidatur fast schon von allein."
Südkurier: "Wer so daher redet, hat nichts begriffen. Der 65-jährige Hanseat mag viele Stärken haben, er aber zeigt den Wählern beharrlich seine Schwächen. Die größte von ihnen heißt Instinktlosigkeit."
Neues Deutschland: "Wenn Steinbrück sich schon vorab öffentlich Gedanken über das Gehalt macht, das er als Bundeskanzler zu erwarten hätte, dann ist das vor allem peinlich."
Allgemeine Zeitung Mainz: "Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass hohe politische Positionen nach der Amtszeit ein roter Teppich sind, hin zu äußerst lukrativen Tätigkeiten als Berater oder Redner. Wer wüsste das besser als Steinbrück."
Südwest-Presse: "Schon Steinbrücks Vergleich von Bundeskanzler und Sparkassendirektor zeigt, dass er die Bedeutung der Rolle des Regierungschefs falsch einschätzt."
Westdeutsche Zeitung: "Kanzler wird man nicht wegen des Verdienstes, sondern weil man sich zu diesem Amt berufen fühlt. Im Idealfall sogar, weil man eine Vision hat, mit der man Deutschland nach vorne bringen will".
Kieler Nachrichten: "Wie dumm ist das denn? Gerade erst hatte sich Peer Steinbrück mit seiner Partei versöhnt, da provoziert er wieder - ganz ohne Not."
Märkische Oderzeitung: "Der Bundeskanzler ist eben nicht der Vorstandschef einer Deutschland AG mit Millionengehalt und Aktienpaket, sondern - vielleicht klingt das ja ein wenig verstaubt - der erste Diener seines Landes."