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"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

So kommentiert die Presse das Aus der Jamaika-Sondierungen in der Nacht zu Montag.

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Für Deutschland ist das ein Rückschlag. So lange und so intensiv ist selten eine Koalition sondiert worden. Dabei sind diese Sondierungen intensiver geführt worden als viele Koalitionsverhandlungen. Daraus trotzdem nichts Kluges, nichts Gemeinsames, nichts Zukunftsfähiges gemacht zu haben, bestätigt auf gefährliche Weise, was die Rechtspopulisten im Land dauernd behaupten: dass die "Traditionsparteien" (der Bundespräsident) nicht in der Lage seien, Probleme zu lösen." 

Stefan Braun auf sueddeutsche.de

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Angela Merkel aber hat nun zum zweiten Male eine negative Erfahrung mit der FDP gemacht. Die erste erlebte sie während der schwarz-gelben Koalition 2009 bis 2013, in der die FDP sich in internem Streit verzettelte. Bei der zweiten Enttäuschung heute nacht war es eine von Christian Lindner hermetisch geeinte FDP, die sich geschlossen davonmachte. So jedenfalls stellten es Merkel, Horst Seehofer und Jürgen Trittin gleichermaßen dar."

Torsten Krauel auf welt.de

 

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Vertrauen, und das ist wahrlich keine revolutionäre Erkenntnis, ist die wichtigste Währung in der Politik. Ohne Vertrauen kann eine Koalition nicht funktionieren. Niemand hat erwartet, dass Alexander Dobrindt und Jürgen Trittin demnächst zusammen in den Urlaub fahren. Aber wie soll man vier Jahre miteinander regieren, wenn man dem anderen nichts gönnt, immer nur glaubt, er wolle einem etwas Böses?"

Philipp Wittrock auf spiegel.de

 

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Der Eklat desavouiert vor allem die nur noch geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel. Sie bedauert. Ihre Macht ist erst mal am Strand von Montego Bay zurückgeblieben.[...] Die Zwietracht in Berlin hat viel mit dem Zweikampf in München zu tun – um die von Horst Seehofer nur noch notdürftig verwaltete Spitze von Bayern und CSU. Aus Angst vor einer Wiederholung des blamablen Bundestagswahlresultats bei der Landtagswahl im Herbst 2018 gab er in der Hauptstadt den eisernen Heimatschützer und AfD-Verhinderer."

Hans-Jürgen Jakobs im "Handelsblatt" 

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Und während die FDP von vielen nun wohl zunächst erst einmal der Buhmann ist und die SPD sich schon ihre Argumente zurecht legt, warum sie gerade jetzt wirklich nicht für eine Große Koalition bereitsteht, dürfte sich vor allem die CSU jetzt in ihrem kritischen bis zuletzt fast schon beleidigenden Ton gegenüber den anderen Sondierungspartnern bestätigt und als Gewinner fühlen."

Sebastian Reuter auf faz.net

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Verglichen mit vielen anderen Ländern sitzen wir hier in Deutschland in einem Honigtopf. Und was machen die von uns gewählten Parteien? Sie lösen eine Staatskrise aus, weil sie sich nicht auf ein Programm verständigen können, wie man diesen Wohlstand für die Zukunft sichert. Das ist ein politischer Offenbarungseid."

Eva Quadbeck auf rp-online.de

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Die FDP pokert hoch. Denn es ist völlig unklar, ob der Wähler sie beim nächsten Urnengang für ein parteitaktisches Spiel bestraft oder für Prinzipientreue belohnt. Schon jetzt zeigen die Finger der Moralisten vorwurfsvoll auf die Liberalen. Doch die haben das gleiche Recht, sich einer Koalition zu verweigern, wie die SPD, die sich schon am Wahlabend auf die Oppositionsrolle festgelegt hatte. Der FDP kann man zugutehalten, dass sie wenigstens versucht hat, eine Regierung zu bilden. Die SPD hat sich von Anfang an aus der Verantwortung gestohlen."

"Die Presse" (Österreich)

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Die letzte Möglichkeit wären Neuwahlen. Dazu könnte Bundespräsident Steinmeier beispielsweise dann aufrufen, wenn Merkel von sich aus das Handtuch wirft. In dem Fall wäre die Ära der kürzlich noch als mächtigste Frau der Welt gefeierten Pfarrerstochter trotz ihres ungebrochenen Willens doch schon nach 12 statt nach 16 Jahren beendet. Und der Bundesrepublik stünde der heißeste politische Winter ihrer Geschichte bevor." 

"Neuen Zürcher Zeitung" (Schweiz) 

"Für Deutschland ein Rückschlag" - Pressestimmen zum Jamaika-Aus

"Wahrscheinlich sind am Ende aber Neuwahlen, die kann der Bundespräsident ausrufen. Da wird dann jedenfalls die rechtspopulistische, und auch zerstrittene AfD profitieren. Nicht nur stimmenmäßig, auch stimmungsmäßig. Sie wird argumentieren, dass diese Demokratie schon so kaputt ist, dass es radikale Kräfte wie die AfD brauche. Die braucht natürlich niemand, noch dazu, wo die AfD selbst stets sagte, sie wolle gar nicht regieren."

"Kurier" (Österreich):