Koran-Verbrennung am 11. September: Radikaler Pfarrer predigte in Köln
zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 15:31Washington (RPO). Das Vorhaben fundamentalistischer Christen aus den USA, am 11. September öffentlich den Koran zu verbrennen, löst weltweit Empörung aus. Außenministerin Clinton will das Vorhaben stoppen. Die Nato warnt vor Vergeltung. Der Anführer der radikalen Christen ist Terry Jones. Früher lebte und arbeitete er nach Informationen unserer Redaktion in Köln.
Jones hatte in der 80er Jahren eine freikirchliche Glaubensgemeinschaft in Köln gegründet: die Christliche Gemeinde Köln (CGK). Ein Zeichen Gottes habe ihm damals den Weg gewiesen. Erst 2008 kam es zur Trennung. Ursache dafür waren vor allem Unstimmigkeiten mit der Finanzierung. Seitdem hat es offenbar keinen Kontakt mehr zwischen der Gruppe und Jones gegeben.
Die Glaubensgemeinschaft distanzierte sich gleichzeitig entschieden von den Plänen ihres Gründers zur Koran-Verbrennung. "Wir sind absolut bestürzt darüber. Das ist völlig unchristlich", sagte Sprecher Thomas Müller. Die Pläne von Jones seien eine Gefahr für die Christen in aller Welt. "Er hat ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Nur daraus kann ich mir diese Aktion erklären", fügte er hinzu.
Müller betonte, die Gemeinde mit ihren rund 100 Mitgliedern habe sich schon vor zweieinhalb Jahren von Jones getrennt. Es habe Differenzen über die christliche Lehre gegeben. Außerdem sei seien Jones damals finanzielle Unregelmäßigkeiten zur Last gelegt worden. Vor seinem Aufenthalt in Köln habe Jones bereits in einer Gemeinde in München gepredigt, sagte Müller.
Auch vor deutschen Gerichten ist Jones kein Unbekannter. So war er Anfang dieses Jahrzehnts angeklagt. Im Jahr 2002 verurteilte ihn das Kölner Amtsgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro. Jones hatte sich demnach mit einem falschen Doktortitel geschmückt.
Nun treibt der als egozentrisch beschriebene Jones in Florida sein Unwesen. Mit seinen Plänen einer Koran-Verbrennung hat er weltweit Entsetzen ausgelöst. Als bislang ranghöchste Vertreterin der US-Regierung verurteilte Außenministerin Hillary Clinton den "respektlosen und schändlichen" Plan. Die Arabische Liga, die EU und der Vatikan äußerten sich am Mittwoch ebenfalls empört.
Clinton zeigte sich "ermutigt" durch die "klare und eindeutige Verurteilung" des Vorhabens durch Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA, aber auch durch führende laizistische US-Vertreter und Meinungsmacher. Die Außenministerin äußerte sich bei einem Iftar-Mahl, dem traditionellen Abendessen im muslimischen Fastenmonat Ramadan.
Zuvor hatte Clintons Sprecher Philip Crowley die für den Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September geplante Koran-Verbrennung als unvereinbar mit den amerikanischen Werten bezeichnet. Ein solcher Akt sei "entgegen unseren Werten, entgegen der Art und Weise, wie sich die Zivilgesellschaft in diesem Land entwickelt hat", erklärte Crowley.
Justizminister Eric Holder erklärte, sollte die evangelikale Splittergruppe aus dem Bundesstaat Florida ihr Vorhaben umsetzen, sei das "idiotisch und gefährlich". Eine Vereinigung von rund 1,5 Millionen US-Veteranen (VFW) sprach von einem Plan "religiöser Extremisten".
Der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, nannte den Pastor der evangelikalen Splittergruppe aus Florida einen "Fanatiker". Sein Vorhaben sei "zerstörerisch", sagte Mussa der Nachrichtenagentur AFP in Kairo. Schon am Dienstag hatte die Ankündigung der Gruppe Dove World Outreach Center in den muslimischen Ländern Afghanistan, Indonesien, Malaysia und Iran für Empörung gesorgt.
Der Vatikan erklärte, das Verbrennen eines "heiligen Buches" wäre eine "schwerwiegende Beleidigung". Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog äußerte seine "große Besorgnis". In Deutschland verurteilte die evangelische Kirche (EKD) die Ankündigung der Koran-Verbrennung als "unerträgliche Provokation". Für den Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte die Vorsitzende Charlotte Knobloch, die Vorstellung einer Koran-Verbrennung "schrecklich und abstoßend". Auch EU-Außenministerin Catherine Ashton verurteilte den Plan.
Das Weiße Haus und der NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, David Petraeus, hatten bereits am Dienstag vor den möglichen Folgen für ausländische Soldaten in Afghanistan gewarnt, sollte die Koran-Verbrennung stattfinden. Auch die Koordinierungsstelle für Hilfsorganisationen in Afghanistan (ACBAR) warnte am Mittwoch davor, dass die Aktion zu weiterer Gewalt in Afghanistan führen und "unschuldige Zivilisten und Helfer das Leben kosten" könnte. In Afghanistan sind rund 150.000 ausländische Soldaten im Einsatz, die meisten aus den USA.
Die Gruppe Dove World Outreach Center in Gainesville im US-Bundesstaat Florida hat für den Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 am Samstag die öffentliche Verbrennung von etwa 200 Exemplaren des Korans angekündigt. Damit will die Gruppe nach den Worten ihres Pastors Jones eine "klare Botschaft" gegen Drohungen radikaler Islamisten senden. Die örtliche Feuerwehr hat die Aktion zwar nicht genehmigt, die Polizei kann aber nicht eingreifen, bevor die Demonstranten zur Tat schreiten.
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