Nach 24 Jahren hinter Gittern: RAF hofft auf Freiheit
VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 12.01.2007 - 21:54Düsseldorf (RP). Die seit 1982 inhaftierten Mehrfachmörder der berüchtigten Politverbrecherbande „RAF“, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, hoffen darauf, in diesem Jahr in Freiheit zu kommen.
Am 11. September 2001 brannten sich islamistische Terroristen in das Gedächtnis der Welt. Vor 30 Jahren erschütterten deutsche Terroristen der RAF (Rote Armee Fraktion) mit einer Serie von Morden die Bonner Republik. Vier Mörder von einst - Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Eva Haule, Birgit Hogefeld - sind noch in Haft.
Es könnte sein, dass Mohnhaupt und Klar nach je 24 Jahren hinter Gittern bald freikommen - Mohnhaupt durch gerichtlich verfügte Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung, Klar durch einen Gnadenerweis des dafür zuständigen Bundespräsidenten Horst Köhler.
Die Namen der damals besonders furchterregenden RAF-Köpfe Mohnhaupt und Klar standen für die zweite RAF-Generation. Die erste hieß Baader-Meinhof-Bande, benannt nach den beiden Gründerfiguren Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Baader, ein Primitivling mit krimineller Energie, wollte 1968 in einem Frankfurter Kaufhaus ein antikapitalistisches Fanal setzen.
Die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin, eine in Baader und den Sozialismus gleichermaßen vernarrte Linksintellektuelle, die Jahre später von Otto Schily, dem Ex-Bundesinnenminister, verteidigt wurde, hatte bei der Brandstiftung mitgemacht. Die Täter wurden gefasst, die linke Journalistin Ulrike Meinhof half im Mai 1970 mit, die Inhaftierten mit Waffengewalt zu befreien - die Baader-Meinhof-Bande war geboren.
Rund zwei Dutzend junger Männer und Frauen, vielfach Kinder aus gutbürgerlichem Milieu, gingen gleichsam vom Hörsaal in den Untergrund. Bis zur Selbstauflösung der Terrorgruppe 1998 zogen deren Angehörige eine breite Blutspur durch das Land. Mehr als 50 Menschen kostete die politisch verbrämte Mordlust das Leben. Darunter waren prominente Vertreter von Justiz, Politik und Wirtschaft sowie Polizeibeamte, Chauffeure, Soldaten.
„1977“ steht für den Gipfelpunkt der Teufelei: Zwischen April und Oktober erschossen die Terroristen Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Bankier Jürgen Ponto sowie Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Ihn hatte man gewaltsam entführt, seinen Fahrer und drei Sicherheitsmänner erschossen. Der Gekidnappte wurde nach sechswöchigem Martyrium „hingerichtet“, wie die RAF zynisch wissen ließ. Vorausgegangen war ihr gescheiterter Versuch, die Bundesregierung zu nötigen, RAF-Gefangene freizulassen.
Kanzler Schmidt blieb unbeugsam, auch als palästinensische Terroristen der RAF mit einer Flugzeugentführung assistierten. Legendäre deutsche GSG-9-Kräfte befreiten in Mogadischu alle Geiseln und machten die Geiselnehmer unschädlich. Daraufhin töteten sich drei RAF-Gefangene in ihren Stuttgart-Stammheimer Zellen selbst. Für die atemraubenden Wochen vor 30 Jahren prägte sich der Begriff „Deutscher Herbst“ ein.
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