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Bundeskanzlerin strebt weitere Amtszeit an
"Langweilig", Zustimmung, Jubel – Reaktionen auf Merkels Entscheidung

"Es wäre ein Witz gewesen, hätte Merkel hingeworfen"
"Es wäre ein Witz gewesen, hätte Merkel hingeworfen" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Düsseldorf. Angela Merkel möchte den Job als Bundeskanzlerin gerne noch vier weitere Jahre bekleiden. Die Entscheidung, sich an die Rekordamtszeit von Helmut Kohl heranzuarbeiten, traf auf unterschiedliche Reaktionen, die wir hier zusammengefasst haben.
  • CSU-Chef Horst Seehofer hatte nach Merkels Erklärung vom Sonntag lediglich gesagt: "Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht und dass sie sich entschieden hat." Eine Unterstützung der CSU für Merkel hatte aber auch er offen gelassen. 
  • "Angela Merkel ist genau die Richtige in dieser schwierigen Zeit", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder dem Sender n-tv. Und: "Angela Merkel hat nach wie vor hohe Popularitätswerte, höher als jeder andere."
  • SPD-Parteivize Ralf Stegner betonte, die SPD könne trotz derzeit mäßiger Umfragen selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf gegen Merkel gehen. "Wir unterschätzen sie nicht. Aber ihr Mythos der Unbesiegbarkeit ist weg." Merkel werde es nicht schaffen, den Streit mit der CSU zu befrieden. "Die Union könnte sich in Zwietracht umbenennen", meinte Stegner. Auch das Unions-Argument, Merkel sei nach der Ära von US-Präsident Barack Obama die letzte Hoffnung des Westens gegen die Populisten, werde nicht verfangen. Die "Weltenretterin" Merkel habe es noch nicht einmal geschafft, die soziale Spaltung Europas zu verhindern.
  • Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, signalisierte dagegen Unterstützung für Merkel. Diese regiere Deutschland gut und "wir brauchen eine starke Union mit der Bundeskanzlerin an der Spitze", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
  • SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sieht die Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel als Ansporn für einen politischen Wechsel. "Nach zwölf Jahren im Amt ist die Luft wirklich raus", erklärte Barley am Sonntagabend in Berlin. "Angela Merkel hat keine Antworten auf die wirklichen Probleme und Sorgen der Menschen in unserem Land."
  • Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry freut sich über Merkels Entscheidung, erneut zu kandidieren. "Damit stellt sich die Politikerin zur Wiederwahl, die das milliardenteure und gefährliche Einwanderungschaos verursacht hat und unter deren Führung die Energiewende an die Wand gefahren wurde", sagte Petry. Idealerweise sähe ihre Partei den SPD-Politiker Martin Schulz als Spitzenkandidaten der SPD, da dieser "wie kein anderer Deutscher für das Scheitern der EU steht". 
  • Grünen-Politiker Jürgen Trittin bewertet Merkels Entscheidung als "langweilig". "Das hat sich seit Wochen abgezeichnet", sagte Trittin dem Fernsehsender Phoenix. Mit der Nominierung von Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident habe die CDU zudem das Signal gesetzt, die Große Koalition fortsetzen zu wollen. "Doch es ist nicht so, dass man Merkel einfach so bekommt. Man bekommt sie nur im Paket mit Herrn Seehofer, Herrn Söder und Herrn Scheuer", sagte Trittin weiter. "Das ist ein bisschen so wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde." 
  • Die CDU in Schleswig-Holstein hat die Entscheidung von Parteichefin Merkel begrüßt. "Angela Merkel steht für eine verlässliche Politik; sie ist der Garant für Stabilität in Europa", sagte der CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther. "Auch für Schleswig-Holstein ist das ein gutes Signal, denn Merkel steht inhaltlich für die Stärkung der maritimen Wirtschaft und der Verkehrsinfrastruktur und hat das Thema Digitalisierung zum Schwerpunktthema auserkoren."
  • Die Linken wollen sich im Wahlkampf als einzig konsequente Alternative zu Bundeskanzlerin Angela Merkel empfehlen. "Wir werden uns entschlossen für einen Politikwechsel einsetzen und ein vierte Amtszeit Merkels verhindern", sagte Parteichef Bernd Riexinger. "Die Linke ist die einzige demokratische Partei, die der dunklen Seite der Macht nicht verfallen ist und Merkels und Seehofers Herrschaft nicht verlängern wird", sagte der Linken-Chef.
  • CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl hat den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel und Martin Schulz die Fähigkeit abgesprochen, den großen Herausforderungen gerecht zu werden. "Angela Merkel hat die Statur, die Erfahrung und das Können, Deutschland in so schwierigen Zeiten zu führen", sagte er den Funke-Zeitungen. "Das fehlt dem sprunghaften Sigmar Gabriel und dem wankelmütigen Martin Schulz, der selbst noch gar nicht weiß, ob er seine Zukunft in Europa oder als Kanzlerkandidat sieht." 
  • CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich hat die Merkels Bewerbung um eine neue Amtszeit zurückhaltend kommentiert. "Wir akzeptieren das, aber Euphorie kommt deswegen nicht auf", sagte Friedrich am Montag im Deutschlandfunk. Friedrich machte deutlich, er hätte sich gewünscht, dass es zwischen CDU und CSU zunächst eine Verständigung über offene Sachfragen gegeben hätte.
  • CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat Angela Merkels Entscheidung begrüßt. "Wer mit Angela Merkel zusammenarbeitet, merkt: Sie will noch was, sie will noch gestalten", sagte der Finanzstaatssekretär am Montag im rbb-Inforadio.
  • CDU-Generalsekretär Peter Tauber sieht die Zurückhaltung der Schwesterpartei CSU mit Blick auf die Bewerbung von CDU-Chefin Angela Merkel um eine neue Amtszeit als Kanzlerin gelassen. "Sie werden erleben, dass CDU und CSU gemeinsam erfolgreich Wahlkampf machen", sagte Tauber am Montag dem Sender n-tv.
Die politische Karriere der Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bei ihrer Kanzlerkandidatur erneut für die volle Amtszeit von vier Jahren bewerben. Merkel sagte am Sonntagabend in Berlin, es gehe nicht nur um eine Entscheidung für den Wahlkampf, sondern "für die vier vollen Jahre".

(AFP/dpa/AP/RTR/csr)
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