Nach Selbstmordanschlag: Regierung bekräftigt Afghanistan-Konzept
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008 - 15:13Berlin (RPO). Nach dem Selbstmordanschlag nahe Kundus kommt erhebliche Kritik an der Bundesregierung auf. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch, gab ihr sogar eine Mitschuld daran. Nun verteidigt sich die Regierung und erklärt, dass sie an ihrem Afghanistan-Konzept festhält.
An dem Ansatz werde es keine Abstriche geben, bekräftigte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung. Ziviler Aufbau und militärische Sicherheit seien ohne einander nicht möglich. "Beides gehört zusammen", betonte er und wies den Vorwurf zurück, die Bundesregierung sei mitverantwortlich für den Anschlag.
Ein Selbstmordattentäter hatte am Montag bei Kundus zwei Bundeswehrsoldaten und fünf afghanische Kinder mit in den Tod gerissen. Zwei weitere Soldaten und ein Kind wurden verletzt. Die beiden Toten sollten am Mittwoch nach Deutschland zurückgeflogen werden. Im Kabinett berichtete das Verteidigungsministerium von den bisherigen Erkenntnissen über den "heimtückischen Mordanschlag", wie Steg sagte. Kanzlerin Angela Merkel und die gesamte Bundesregierung äußerten tiefes Mitgefühl und Anteilnahme für die Angehörigen der Soldaten wie auch für die Familien der Kinder.
Auf "gänzliches Unverständnis" stießen laut Steg Äußerungen des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch. Dieser hatte in der "Passauer Neuen Presse" die Ausrichtung des Einsatzes als falsch bezeichnet und der Bundesregierung eine Mitverantwortung für den Anschlag zugewiesen. Steg bezeichnete dies als geschmacklos und als verantwortungsloses Gerede. "Es wäre angemessen, wenn das mit dem Ausdruck des Bedauerns sehr schnell zurückgenommen wird."
Die Einsatzfahrt der Patrouille, die für die 22 und 25 Jahre alten Soldaten tödlich endete, bezeichnete Steg als vorbildlich und ein "Beispiel nach dem Lehrbuch". Auch bei den Sicherheitsvorkehrungen sei niemandem ein Vorwurf zu machen, "im Gegenteil", betonte er. Dennoch könne sich niemand mit letzter Gewissheit vor heimtückischen Anschlägen mit dermaßen mörderischer Energie schützen.
Trauerfeier für Soldaten
Mit einer Trauerfeier im nordostafghanischen Kundus hat die Bundeswehr am Mittwoch Abschied von zwei getöteten Soldaten genommen. Die beiden jungen Männer im Alter von 25 und 22 waren am Montag bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus ums Leben gekommen, als sie nach illegalen Waffenlagern suchten. Sie gehörten zum Fallschirmjägerbataillon 263 aus Zweibrücken, das zuletzt Ende August einen 29-jährigen Hauptfeldwebel bei einem Anschlag mit einer Sprengfalle verlor.
Der Chef des Regionalen Wiederaufbauteams Kundus, Oberst Rainer Buske, würdigte den hohen Einsatz der beiden getöteten Soldaten. "Gemeinsam mit ihren Fallschirmjägerkameraden haben sie Nacht für Nacht für Sicherheit gesorgt", sagte er.
Der Befehlshaber der Isaf-Region Nord, der deutsche Brigadegeneral Jürgen Weigt, sprach von einem "perfiden Terror, der auch nicht davor haltmache, Kinder mit in den Tod zu reißen". Bei dem Anschlag waren auch fünf Kinder getötet worden.
Nach der Trauerfeier wurden die Leichen des 25-jährigen Stabsunteroffiziers Patrick B. und des 22-jährigen Stabsgefreiten Roman S. nach Deutschland überführt. Am Standort Zweibrücken ist für Freitag in der Alexanderskirche eine Trauerfeier geplant. Daran werden auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan teilnehmen.
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