Chinesische Trojaner-Viren: Regierung bestreitet Schäden durch Hacker-Angriff
zuletzt aktualisiert: 25.08.2007 - 17:10Berlin (RPO). Obwohl zahlreiche Computer der Bundesregierung einem Medienbericht zufolge mit chinesischen Trojaner-Viren infiziert sind, hat es nach Angaben der Bundesregierung keine Schäden gegeben. Solche Attacken seien ein ständiges Problem, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Christian Günter Sachs, am Samstag in Berlin. Das für die Sicherheit zuständige Bundesamt habe erfolgreich entsprechende Vorkehrungen getroffen.
Der "Spiegel" hatte berichtet, zahlreiche Computer in Bundesministerien seien mit Spionageprogrammen aus China infiziert. Das sei das Ergebnis einer Überprüfung, die der Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vorgenommen hätten. Neben dem Kanzleramt seien das Wirtschaftsministerium, das Forschungsministerium und das Auswärtige Amt betroffen.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Er begründete dies mit der Vertraulichkeit der Themen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bricht am Sonntag zu einem dreitägigen Besuch nach China auf. Wilhelm betonte, Merkel spreche generell mit den Vertretern der chinesischen Seite über den Schutz geistigen Eigentums.
Laut "Spiegel" wurden die Trojanerprogramme, die das unbemerkte Ausspähen der Computer ermöglichen sollen, bereits vor Monaten erstmals entdeckt. Seitdem hätten die Experten der Bundesregierung den Abfluss von rund 160 Gigabyte an Daten verhindert. Es werde allerdings unverändert versucht, weitere solcher Programme über das Internet in deutsche Regierungscomputer einzuschleusen.
Hacker-Angriff aus den Reihen der chinesischen Volksarmee?
Die Angriffe gingen nach vertraulicher Einschätzung des Verfassungsschutzes wohl auf Hacker der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurück und wären demnach dem chinesischen Staat zuzuordnen, heißt es in dem Bericht.
Die chinesische Botschaft in Berlin sprach dagegen auf "Spiegel"-Anfrage von einer verantwortungslosen Spekulation ohne jede Beweisgrundlage. In einem vertraulichen China-Bericht stellte der Verfassungsschutz unterdessen fest, die Bundesrepublik stelle ein begehrtes Aufklärungsziel der chinesischen Wirtschaftsspionage dar. Auch der baden-württembergische Verfassungsschutzchef Johannes Schmalzl zeigte sich über Wirtschaftsspionage-Aktivitäten Chinas besorgt. "60 Prozent unserer Verdachtsfälle haben inzwischen mit China zu tun", sagte Schmalzl dem "Spiegel".
Der schleswig-holsteinische Innenminister und SPD-Vorsitzende Ralf Stegner forderte Merkel auf, Aufklärung über den mutmaßlichen chinesischen Spionage-Angriff auf die Bundesregierung zu verlangen. "Wenn die Informationen zutreffen, kann das die Bundesregierung nicht hinnehmen", sagte Stegner der "Bild am Sonntag". China sei Handelspartner, aber gleichzeitig Konkurrent. Merkel müsse der Sache auf ihrer China-Reise nachgehen. Wenn sich der Verdacht bestätige, müsse sichergestellt werden, dass sich derartige Spionage nicht wiederhole.
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