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67. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung: Reich-Ranicki beschreibt den Schrecken des Ghettos

zuletzt aktualisiert: 27.01.2012 - 09:52

Berlin (RPO). Zum 67. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki eine bewegende Gedenkrede vor dem Bundestag gehalten. Der 92-Jährige schilderte in einfachen wie eindrucksvollen Worten die Anfänge des Warschauer Ghettos. Das Ghetto kannte nur ein Ziel: Die Ausrottung der größten jüdischen Gemeinde Europas. Lesen Sie das Protokoll des LIVE!-Tickers.

+++ 9.53 Uhr: Mit einem weiteren Musikstück endet die Gedenkstunde im Bundestag.

+++ 9.52 Uhr: Reich-Ranicki beendet seine Rede. Nach kurzem Schweigen brandet Applaus auf. Der Redner wird wieder an seinen Platz geführt.

+++ 9.52 Uhr: "Die Aussiedlung aus Warschau hatte nur einen Sinn: den Tod"

+++ 9.51 Uhr: Reich-Ranickis Stimme ist nun fester. Er spricht langsam, klar und deutlich. 

+++ 9.49 Uhr: Reich-Ranicki berichtet vom Selbstmord des Vorsitzenden des Judenrats. Er ertrug es nicht mehr, den Tod seiner Mitmenschen mit organisieren zu müssen. "Er weigerte sich ihr Werkzeug zu sein", erinnert sich der 92-Jährige.

+++ 9.47 Uhr: Jeden Tag erfuhr Reich-Ranicki von neuen Zahlen. Mal 10.000, mal 7000, mal 5000. Die Zahlen waren kein Zufall. Sie standen im Zusammenhang mit der Anzahl der zur Verfügung stehenden Viehwaggons.

+++ 9.44 Uhr: Reich-Ranicki erinnert sich weiter: Letten, Litauer und Ukrainer stürmten plötzlich das Ghetto und trieben mit Gewehrschüssen die Juden zum sogenannten Umschlagplatz. Dort sollten sich auf deutschen Befehl 6000 Menschen versammeln.

+++ 9.42 Uhr:  Angst war das übermächtige Gefühl. Er erinnerte sich an Shakespeare: "Ward je in dieser Laune ein Weib gefreit?".

+++ 9.40 Uhr: In nüchterner und einfacher Sprache schildert der 92-Jährige das Erlebte: Er musste das Todesurteil über Warschaus Juden tippen.

+++ 9.37 Uhr:  "Die Züge fuhren nach Osten, aber anfangs wusste niemand: wohin?" Oft musste der Schreiber auch notieren: "Wird erschossen!" Reich-Ranicki verstand: Über die größte jüdische Stadt Europas war das Todesurteil gesprochen.

+++ 9.34 Uhr: Die SS-Offiziere von damals nennt er mit vollem Namen. Reich-Ranicki schildert, wie er Dokumente tippen musste, die das Schicksal der Juden in Warschau besiegelten. Er versteht sofort, was es bedeutet, wenn  Menschen "nicht umgesiedelt" werden sollten. Juden, die nicht arbeitsfähig waren, sollten schnell fortgeschafft werden. Wertsachen wurden ihnen abgenommen.

+++ 9.32 Uhr:  Reich-Ranicki berichtet in ruhigem und langsamen Ton sehr detailreich von den Abläufen. Er beschreibt dabei seine Gefühle. Es gab Wachposten, da ist er sich sicher, die hatten nur eine Aufgabe: Angst und Schrecken verbreiten.

+++ 9.30 Uhr: "Das ist mein bester Übersetzer", wird Reich-Ranicki vorgestellt. Er wird nicht als Geisel genommen, sondern soll Protokoll führen.

+++ 9.27 Uhr: Reich-Ranicki erinnert sich, wie die Deutschen die Mitglieder des Judenrats vernommen, verhaftet und als Geiseln genommen haben. Auch Reich-Ranicki musste zum Befehlshaber der SS-Truppe.

+++ 9.26 Uhr: Reich-Ranicki erinnert an die Gründung des Ghettos in Warschau. Menschen wurden als Geiseln genommen und auf offener Straße erschossen.

+++ 9.25 Uhr: "Ich spreche hier nicht als Historiker, sondern als Zeitzeuge und Überlebender".

+++ 9.23 Uhr: Reich-Ranicki spricht im Sitzen. Er begrüßt die Anwesenden.

+++ 9.22 Uhr: Lammert dankt dem Redner, dass er trotz seiner angegriffenen Gesundheit die Einladung angenommen hat.

+++ 9.19 Uhr: Reich-Ranicki hört Lammert mit geschlossenen Augen zu.

+++ 9.16 Uhr:  Lammert lobt die vielen Deutschen, die sich immer wieder in den Weg stellen, wenn Neonazis durch deutsche Städte marschieren wollen. Applaus im Bundestag. Dennoch gibt es einen latenten Antisemitismus in Deutschland, wie jüngst eine Studie belegte.

+++ 9.15 Uhr: Lammert blickt zurück auf die Wannseekonferenz vor 70 Jahren. Damals als "Besprechung mit anschließendem Frühstück" in den Akten vermerkt.

+++ 9.13 Uhr: Lammert ist sichtlich bewegt und spricht mit belegter Stimme. Er erinnert an alle Opfer des Nationalsozialismus. Behinderte, Minderheiten, Homosexuelle.

+++ 9.11 Uhr: Marcel Reich-Ranicki erlebte dies hautnah mit. Er arbeitete damals für den sogenannten Judenrat als Protokollführer.

+++ 9.09 Uhr: Die Wehrmacht sprengte gleich nach ihrem Einmarsch in Warschau ein Denkmal des polnischen Komponisten Chopin, erinnert Lammert.

+++ 9.07 Uhr: Bundestagspräsident Norbert Lammert begrüßt die Gäste. Er würdigt Chopin als kulturelles Erbe aller Menschen.

+++ 9.05 Uhr: Der Film von Roman Polanski schilderte eindrucksvoll und bewegend das Schicksal eines jüdischen Musikers im Ghetto von Warschau. Die Hauptrolle spielte Adrien Brody.

+++ 9.03 Uhr: Die Feierstunde beginnt mit einem Klavierstück von Chopin – auch bekannt aus dem Film "Der Pianist".

+++ 9.02 Uhr:  Norbert Lammert führt den Redner in den Plenarsaal.

+++ 9.01 Uhr: Reich-Ranickis Bedeutung für die deutschsprachigen Schriftsteller brachte einmal der Dichter Wolfgang Koeppen auf den Punkt. "Er schreibt über mich, also bin ich." Doch den Ruf als "Literaturpapst" erlangte er erst mit dem Einstieg beim ZDF 1988. Dreizehn Jahre lang leitete Reich-Ranicki dort das Literarische Quartett.

+++ 9 Uhr: Im Warschauer Getto arbeitete  Reich-Ranicki als Übersetzer. Seine Eltern wurden im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Mit seiner 2011 verstorbenen Frau lebte Reich-Ranicki bis zum Kriegsende im Untergrund. Von seiner Familie überlebte nur noch eine Schwester den Holocaust. 

+++ 8.56 Uhr: Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. An diesem Tag war 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden.

Der Gedenktag: Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.

Quelle: csi

 
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