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Interview mit Extremismus-Experte
"Reichsbürgern müsste man den Waffenbesitz verbieten"

Interview mit Extremismus-Experte: "Reichsbürgern müsste man den Waffenbesitz verbieten"
Ein Einsatzfahrzeug vor dem Haus, in dem ein "Reichsbürger" einen Polizisten erschoss (am Mittwoch) FOTO: dpa, nar fgj
Düsseldorf. Sie sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab – jetzt hat ein sogenannter Reichsbürger sogar einen Polizisten erschossen. Wir haben mit einem Experten über die Gefahren dieser Gruppe gesprochen.  Von Vassili Golod

Herr Wilking, Sie haben ein Handbuch über "Reichsbürger" herausgegeben. Wie gefährlich sind diese Menschen?

Dirk Wilking Das ist pauschal nicht zu beantworten. Es gibt nicht die Reichsbürger. Der Begriff kommt ja von außen. Von der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der Polizei. Sie selbst begreifen sich nicht als Reichsbürger. Es gibt viele konkurrierende Kleingruppen, und nicht alle sind extremistisch.

Am Mittwoch hat ein sogenannter "Reichsbürger" in Bayern einen Polizisten tödlich verletzt. Wie erklären Sie sich diese Tat?

Wilking Einige gehen unter Druck in Amokhandlungen über, wenn es Eingriffe in ihr Leben gibt. Es liegt nicht an der Organisation, aber ohne sie wären solche Taten auch nicht denkbar. Man braucht diese Gesinnung, um solche Taten überhaupt begehen zu können. Man muss die Reichsbürger auch als Einzelpersonen betrachten, die teilweise an psychischen Erkrankungen leiden. Aus meiner Sicht müsste man Reichsbürgern den Waffenbesitz verbieten.

Dirk Wilking. FOTO: Dirk Wilking

Einige dieser Reichsbürger tragen Aluhüte – kein Witz! – und wurden bisher als Spinner abgetan. War diese Verharmlosung ein Fehler?

Wilking Nein. Das Problem ist, dass Journalisten gerne ein Versagen des Staates konstruieren würden. Das ist aus meiner Sicht unfair. Die Bewegung hat sich einfach verändert. Reichsbürger sind kein Stück Seife, das immer Seife bleibt.

Sondern?

Wilking Früher waren es einfach Irre. Die Reichsbürger, die sich dem "König von Deutschland" anschließen, sind zum Beispiel eine harmlose Gruppe. Im Zuge von Pegida und AfD haben allerdings viele Gruppen einen Schritt in Richtung Militanz gemacht. Es sind mehr geworden, die Bewegung hat sich verändert. Die Mehrheit der Gruppen ist heute rechtsextrem – aber nicht alle.

Wie kann sich unsere Gesellschaft gegen diese Gruppen wehren?

Wilking Das Problem ist die Delegitimation von Staat, Presse und so weiter. Das führt zu Willkürlichkeit. Die Diskursfähigkeit geht verloren. Dabei ist das oft einfach völlig gaga, was die von sich geben. Da muss man gegenhalten.

Wie?

Wilking Jeder Einzelne muss mehr Haltung zeigen und für seine Überzeugungen einstehen. Man muss diesen Menschen verdeutlichen, dass ihre Argumente nicht akzeptabel sind. Sie haben sich stark bei Pegida eingeklinkt und sind dort auf offene Ohren gestoßen. Das Problem lässt sich nicht allein von den Behörden lösen, die Gesellschaft muss mitmachen.

 

Dirk Wilking ist Geschäftsführer des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung - einer Einrichtung, die Demokratie und Bürgerengagement in dem Bundesland fördern will. Seit Jahren befasst er sich mit den Gefahren, die von den sogenannten "Reichsbürgern" ausgehen.

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