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Merkel und Rüttgers: Rivalen der CDU-Rennbahn

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 22:18

Berlin/Düsseldorf (RP). Sie waren einst Kohls ministrable Hoffnungsträger: Die Ost-Protestantin Angela Merkel und der West-Katholik Jürgen Rüttgers. Damit war zugleich auch die Rivalität zwischen ihnen angelegt. Sie hat sich bis zum heutigen Tag erhalten und ist weit davon entfernt, entschieden zu sein.

Wenn die Regierungschefin (Bund) und der Regierungschef (Land) am Freitag in Düsseldorf beim CDU-Zukunftskongress miteinander sprechen, dann geht es nicht nur um die Zukunft von Bund und Land, sondern auch um die von Angela Merkel und Jürgen Rüttgers selbst.

Denn beide haben sich vorgenommen, noch möglichst viel von dieser Zukunft selbst zu gestalten. Ihr Verhältnis zueinander: demonstrativ entspannt, aber immer wieder leicht entflammbar. Denn so unterschiedlich die ostdeutsche Protestantin und der rheinische Katholik auch sein mögen, beide beherrschen die taktischen Spielchen und sind Meister der Strategie.

Alte Rivalen

Vor allem sind sie Rivalen. Beide holte Helmut Kohl als Hoffnungsträger der Christdemokratie in den 90ern in die Regierung. Sie lag lange als „Kohls Mädchen” in den Klischee-Auslagen, er hörte sehr bald und sehr gerne auf das Etikett „Zukunftsminister”. Als die Union 1998 die Macht verlor, gehörten beide zu denen, die durchstarteten. Sie an der Parteispitze, er zunächst in der Fraktionsführung, dann im NRW-Landesverband.

Das „Mädchen” und der Mann der „Zukunft” ­ es verwundert nicht, dass sich führende Köpfe Rüttgers als CDU-Chef vorstellen konnten, als für Wolfgang Schäuble nach einer dubiosen Parteispende ein Nachfolger gesucht wurde. Doch Merkel hatte als Generalsekretärin das Terrain schon sorgsam sortiert und orchestrierte so geschickt die Basis, dass sie selbst das Rennen machte.

Dennoch war sie zunächst eine Vorsitzende auf Widerruf. Die Oettingers, die Kochs, die Wulffs und die Rüttgers‘, die alsbald mächtige Flächenländer regierten, erweckten den Anschein, als ließen sie Merkel noch so lange gewähren, bis sie sich entschieden hätten, wer von ihnen denn die Macht im Bund zurückerobern sollte.

Merkels Machtinstinkt

Sie hatten die Rechnung ohne Merkels Machtinstinkt gemacht. Ein Rivale nach dem anderen blieb auf der Strecke. Bis auf zwei. Christian Wulff, der Parteivize und wiedergewählte Niedersachsen-Ministerpräsident, und Jürgen Rüttgers, der Parteivize, der als NRW-Ministerpräsident die Wiederwahl 2010 erst noch schaffen muss.

Und so belauern sich die drei wie unruhige hungrige Tiger, die wissen, dass sie die Beute nur zusammen erlegen können, die aber nicht sicher sein können, ob am Ende der eine oder andere dem Alpha-Tier den Rang streitig machen wird oder nicht.

Merkels Vision von einer wirtschaftsliberalen sozialen Demokratie hätte ihr 2005 beim Sprung an die Macht beinahe die Beine weggehauen. Seitdem ist sie vorsichtig bei Festlegungen. Sie will einerseits für eine glasklare bürgerliche Alternative zu Rot-Grün und Rot-Rot stehen, andererseits aber nicht noch einmal in die Image-Falle der sozialen Kälte tappen.

Attacken aus Düsseldorf

Das macht sie anfällig für Attacken aus Düsseldorf, wo Rüttgers ein schwarz-gelbes bürgerliches Erfolgsmodell entwickeln und sich selbst als der wahre Siegelbewahrer des Sozialen etablieren will.

Die CDU-Chefin kommt am Stimmenführer des stärksten CDU-Landesverbandes nicht vorbei. Trotzdem wagte sie es, ihm die Grenzen der Sympathie aufzuzeigen, als sie ihn 2006 beim Parteitag in die 57-Prozent-Abstimmungsschlappe laufen ließ.

„Das tat weh”, gab Rüttgers zu Protokoll. Potenziell gehört er damit zu den Kandidaten, die sich nicht mit Grausen abwenden, wenn auch Merkel mal alt aussieht.

Grenzen ziehen

Im jüngsten Rentenstreit versuchte es Merkel erneut mit Grenzziehungen: Inhaltlich ließ sie Rüttgers nicht wirklich zum Zuge kommen, kleidete das mit tatkräftiger Hilfe des Merkel-Rüttgers-Mittlers, Ronald Pofalla aber in Formulierungen, die nach außen hin Rüttgers einen Image-Punkt machen ließen.

„Der brauchte das”, hört man aus der CDU-Spitze. Nicht mit gönnerhaftem Unterton, sondern mit klarem Kosten-Nutzen-Kalkül

Quelle: RP

 
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