Verhandlungen über Gesundheitsreform: Rösler geht auf Krankenhäuser zu
zuletzt aktualisiert: 21.10.2010 - 07:40Düsseldorf (RPO). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat den Krankenhäusern bei den Verhandlungen über die Gesundheitsreform Gesprächsbereitschaft zugesagt. Die mehr als 2.000 Kliniken in Deutschland brauchten Verlässlichkeit und Orientierung, sagte Rösler am Mittwochabend in Düsseldorf beim 100-Jahr-Jubiläum des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland (KKVD) in Düsseldorf.
Notwendig sei eine bestimmte Einsparsumme. Über das Wie lasse sich aber noch reden. Nach dem von Rösler vorgelegten Konzept zur Gesundheitsreform sollen die Krankenhäuser im kommenden Jahr 500 Millionen Euro und 2012 rund 570 Millionen Euro zur Verbesserung der Finanzlage beitragen. Dazu soll unter anderem die Berechnungsbasis für die Krankenhauspreise - der Zuwachs der Grundlohnrate - halbiert werden. Rösler deutete an, dass diese Bemessungsgrundlage überdacht werden könne.
Caritaspräsident Peter Neher forderte eine Debatte über Prioritätensetzung im Gesundheitswesen. "Rationierung gibt es schon jetzt", sagte er. Meist geschehe sie indirekt über Personalabbau. Eine gerechte Gestaltung des Gesundheitswesens müsse sich auch daran messen, ob benachteiligte Menschen eine ausreichende und notwendige Gesundheitsversorgung erhalten.
Mit Blick auf das christliche Profil der kirchlichen Krankenhäuser lobte der Caritaspräsident, der KKVD habe zusammen mit dem Evangelischen Krankenhausverband wesentlich dazu beigetragen, dass die Ethikberatung und klinische Ethikkomitees in Deutschland eingeführt wurden. Als große Chance bezeichnete er es, dass die kirchlichen Krankenhäuser das Netzwerk von Caritas und Kirche nutzen können. "Kein Krankenhaus kann seinen umfassenden Auftrag alleine leisten. Es braucht lokale Unterstützung, ehrenamtliche Mitarbeitende und Vernetzung."
Fusionswelle im Krankenhausbereich
Krankenhäuser sollten nicht nur Anlaufpunkt bei Krankheit sein, sondern sich für die Gesundheit in einer Kommune durch Aufklärung, Patientenberatung und die Vernetzung mit anderen Diensten engagieren, so Neher. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit von Geburtshilfeabteilungen mit den familienunterstützenden Diensten der Caritas.
Der 1910 in Essen gegründete Verband vertritt unter dem Dach des Deutschen Caritasverbands die Interessen von 435 Kliniken in katholischer Trägerschaft mit etwa 98.000 Betten und rund 165.000 Beschäftigten, damit also jedes fünfte deutsche Krankenhaus. In katholischen Krankenhäusern werden alljährlich mehr als 3,5 Millionen Patienten stationär und 5 Millionen ambulant versorgt.
Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, sprach von einer großen Fusionswelle im Krankenhausbereich in den vergangenen Jahrzehnten. Allerdings sei es den katholischen und evangelischen Häusern gelungen, ihren Anteil von einem Drittel aller Häuser zu halten. Er appellierte an Rösler, die Krankenhäuser bei den Sparmaßnahmen nicht zu überfordern. Die steigenden Personalkosten müssten aufgefangen werden; sonst drohe eine neue Rationalisierungswelle.
Der KKVD-Vorsitzende, der Münsteraner Weihbischof Dieter Geerlings, sprach sich für ein klares christliches Profil der kirchlichen Krankenhäuser aus. "Gerade deshalb aber ist es unabdingbar, dass Pflege und Medizin von hoher Qualität sind." Zudem gehe es darum, dass die Mitarbeiter Zeit für Gespräche mit Patienten hätten. "Dafür muss dann allerdings auch in den Arbeitsplänen Zeit eingeplant werden."
Einen großen Stellenwert misst der KKVD der Begleitung sterbenskranker Menschen bei. Kirchliche Krankenhäuser engagierten sich überdurchschnittlich bei der Hospizarbeit und in Palliativstationen, so Geerlings.
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