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Nach Münchner Sicherheitskonferenz
Pofalla sieht keine Alternative zum Dialog mit Russland

Fotos: Pofalla – Christdemokrat, Bahn-Vorstand, Weezer
Fotos: Pofalla – Christdemokrat, Bahn-Vorstand, Weezer FOTO: dpa, hsc lre kde
München. Angesichts der jüngsten Ost-West-Kontroversen bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat Ronald Pofalla, dafür geworben, den Gesprächsfaden mit Moskau nicht abreißen zu lassen.

"Zum Dialog gibt es keine Alternative", sagte Pofalla unserer Redaktion. Der frühere Kanzleramtsminister ist jetzt Bahnvorstand und Chef des zivilgesellschaftlichen "Petersburger Dialogs" zwischen Deutschen und Russen.

Hat die Münchner Sicherheitskonferenz die Welt dem Frieden ein Stück näher gebracht?

Pofalla Die Komplexität der Krisen in der Welt ist in München genau so deutlich geworden wie die Unterschiedlichkeit der Interessen. Ich glaube aber: München hat erste hoffnungsvolle Ansätze geliefert, jetzt müssen sich Europäer, Russen, Amerikaner und die Staaten der arabischen Liga zusammenreißen, damit die Chance auf Frieden für Syrien nicht vergeben wird.

Viele Teilnehmer beklagten eine Zunahme gefährlicher Krisen. Lässt sich daraus ein neuer kalter Krieg zwischen dem Westen und Russland ablesen?

Pofalla Wir haben an sehr vielen Punkten in der Welt Situationen, die brandgefährlich sind und die jeweils zur Eskalation beitragen können. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt sowohl in Syrien als auch in der Ost-Ukraine vorankommen. Es muss gelingen, die Anzahl der Konfliktherde zu reduzieren.

Die russischen Regierungsvertreter fühlen sich in einem neuen Kalten Krieg. Kann der Petersburger Dialog das mit verhindern?

Pofalla Es war enorm wichtig, dass wir über den Petersburger Dialog schon im vergangenen Jahr in Potsdam im Kontakt und im Dialog geblieben sind. In diesem Jahr werden wir vermutlich im Juli zum großen Petersburger Dialog in Petersburg zusammen kommen. Er ist inzwischen fast das einzige zivilgesellschaftliche Forum, wo zwischen Deutschland und Russland kontrovers diskutiert werden kann - auch mit dem Ziel, um gemeinsame Positionen zu ringen.

Sind Sie dabei schon vorangekommen?

Pofalla Ich kann nur Positives von meiner Zusammenarbeit mit meinem russischen Ko-Vorsitzenden Viktor Subkow berichten. Wir sind bei vielen Punkten unterschiedlicher Auffassung, aber uns eint eine Überzeugung: Zum Dialog gibt es keine Alternative.

Empfehlen Sie deshalb, auch anderer Dialog-Formate, wie etwa den Nato-Russland-Rat, wiederzubeleben?

Pofalla Das ist eine schwierige Frage. Wenn Russland beispielsweise in der Ost-Ukraine dafür sorgen würde, dass für einige Wochen die Waffen ruhen, die Separatisten nicht mehr in Scharmützel eintreten, dann wäre das ein enormer erste Schritt um den Nato-Russland-Rat wieder tagen zu lassen. Die Waffenruhe wäre aber auch erforderlich, um im weiteren Verlauf des Jahres Fragen einer Teilreduzierung von Sanktionen wieder diskutieren zu können.

Gregor Mayntz führte das Interview

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