Landesparteitage zeitgleich: Rüttgers gegen Wulff - wer gewinnt das Fernduell?
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 13.06.2008 - 23:23Berlin (RP). Wer gewinnt das Fernduell? Der Zufall des Terminkalenders wollte es, dass die beiden stärksten CDU-Ministerpräsidenten, Rüttgers und Wulff, zeitgleich ihre Landesparteitage abhalten.
Über die Starken in ihrer Partei lästert Angela Merkel schon mal gern. „Manche wollen, dass ich ihnen ihre Sünden vergebe, noch bevor sie sie begangen haben“, sagte die Kanzlerin unlängst. Zwei hat sie mit Sicherheit nicht gemeint: den stets zu Querschüssen aufgelegten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und den alerten und beliebten Landeschef von Niedersachsen, Christian Wulff, der sogar seinen Landesvorsitz aufgibt, um in Berlin noch stärker mitmischen zu können.
Beide halten jetzt eher zufällig ihre Landesparteitage zur gleichen Zeit an diesem Samstag ab – Rüttgers mit viel Tamtam in Dortmund, Wulff eher unspektakulär in Celle. In Dortmund spricht die Kanzlerin, in Celle wird lediglich ein neuer Landesvorstand gewählt. Im Fernduell werden sich beide in ihren Landesorganisationen präsentieren als Alpha-Tiere ihrer Partei. Als mächtige Landesfürsten, die auch der bisweilen überstarken Kanzlerin auf Augenhöhe begegnen können.
Rüttgers und Wulff beäugen sich schon seit einiger Zeit. Entsprechend distanziert ist ihr Verhältnis. Noch vor anderthalb Jahren hatten die beiden ihre Landesbataillone auf dem CDU-Parteitag in Dresden jeweils zur Schwächung des anderen eingesetzt. Rüttgers erreichte damals als Parteivize mit 57,7 Prozent eine regelrechte Abfuhr. Wulff erging es nicht besser. Mit einem Anteil von 66,7 Prozent der Stimmen schnitt er zwar besser ab als Rüttgers. Wie der Rheinländer rutschte der Darling-Typ aus Hannover aber 20 Prozentpunkte in die Tiefe.
Doch die Schlappen sind verdaut. Beide wittern Morgenluft, seit die Kanzlerin nicht mehr ganz so makellos mit Umfrage-Ergebnissen glänzen kann. Mit Werten von 34 oder 35 Prozent für die Union zieht die Kanzlerin seit Kurzem auch den Unmut der eigenen Reihen auf sich.
Dazu hat Rüttgers mit seiner Renten-Attacke kräftig beigetragen. Aber auch Wulff hat mehr Mannschaftsspiel in Berlin eingefordert und so die Kreise der Kanzlerin gestört.
Beide besetzen unterschiedliche Flügel der Partei. Rüttgers sieht sich als moderner Erbe des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm. Als die CDU-Arbeitnehmergruppe nach den Attacken durch den Wirtschaftsliberalen Friedrich Merz und später durch das betont wirtschaftsfreundliche Leipziger Programm ganz an den Rand gedrängt wurde, richteten sich die Sozialpolitiker an Rüttgers auf.
Wulff wechselt gern die Farben zwischen Wirtschaftssprecher und einfühlsamem Landesvater, der wie im Fall der umstrittenen Sperrminorität beim VW-Konzern, schon mal allein die Arbeitsplätze zur Maxime seiner Politik macht.
In ihren Ländern haben die beiden gleichwohl einiges erreicht. Wulff hat die Schule gestrafft, mehr Lehrer eingestellt, die überkommenen Bezirksregierungen abgeschafft. Rüttgers hat für ein Ende der teuren Steinkohle gesorgt, den Hochschulen finanzielle Autonomie eingeräumt und die Schulbildung verbessert.
Die Zukunft der beiden Merkel-Vertreter könnte indes unterschiedlich ausfallen. Wulff dürfte im Fall eines Wahlsiegs der Union schon 2009 nach Berlin streben, noch bevor er seine dritte Legislaturperiode in Hannover vollendet hat. Rüttgers ordnet alles der Wiederwahl im Jahr 2010 unter. Gewinnt er im Stammland der SPD abermals, könnte er sogar Merkel gefährlich werden. Auch wenn er dann schon fast 60 Jahre alt ist.
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