kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Nach den Kindstötungen: Saarland - Vorbild für mehr Kinderschutz?

VON MICHAEL SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 07.12.2007 - 19:35

Berlin (RPO). Fünf getötete Kinder in Darry, drei in Plauen: Nach den schockierenden Kindstötungen fordert die Politik mehr Schutz für Kinder vor Gewalt und Verwahrlosung in der Familie. Eine verbindliche ärztliche Vorsorgeuntersuchung muss her, sagt Familienministerin Ursula von der Leyen. Im Saarland gibt es sie schon. Doch Kinderärzte bezweifeln den Nutzen. 

Von der Leyen (CDU) verlangt verpflichtende Arztbesuche für Kinder. "Die Erfahrungen in einzelnen Bundesländern zeigen, dass dies sinnvoll ist", sagte von der Leyen der "Süddeutschen Zeitung". Mit Hilfe verbindlicher Frühuntersuchungen könne "unbürokratisch nachgehakt" werden, wie das Beispiel Saarland zeige, so von der Leyen weiter.

Im Saarland werden alle Eltern eingeladen, ihre Kinder zu Untersuchungen bei Kinderärzten zu bringen. Sobald ein Kind die Vorsorgeuntersuchung besucht hat, leitet der behandelnde Arzt den medizinischen Befund an die Leitstelle der Kinder-Uniklinik Homburg/Saar weiter. „Wir wollen sicherstellen, dass alle Kinder zur Untersuchung kommen“, sagte Koordinator Fabio Lizzi unserer Redaktion. Das Projekt steht unter der Leitung von Professor Ludwig Gortner.

Die Uniklinik hat über das Einwohnermelderegister Zugriff auf die Adressen der Eltern. Bei der Geburt wird jedes Kind gemeldet. Sobald ein Kind einen verbindlichen Arztbesuch verpasst hat, gehen die Gesundheitsämter in den Kreisen auf Spurensuche. Läuft die Suche erfolglos, schaltet sich das zuständige Jugendamt ein. Wenn die Eltern auf zwei Mahnungen nicht reagieren, kommen wenn nötig Mitarbeiter des Jugendamts vorbei.

2000 Kinder im Saarland waren schon beim Arzt

Das neue Gesetz, das Eltern im Saarland zu Vorsorge-Untersuchungen ihrer Kinder verpflichtet, trat im April 2007 in Kraft. Seitdem besuchten nach Auskunft des Homburger Uniklinikums rund 2000 Kinder die erste verbindliche Vorsorge-Untersuchung. Jedes Kind muss vier Wochen nach der Geburt und weiter bis zum 64. Lebensmonat, wenn es auf die Grundschule kommt, insgesamt sieben Mal zum Arzt. „Bislang war dieser Zeitraum völlig unbewacht“, erklärt Fabio Lizzi.

Familieministerin von der Leyen sieht das Saarland als Vorbild, wie der Schutz von Kindern verbessert werden kann. Lizzi bestätigte unserer Redaktion, dass bei einigen Kindern Anzeichen von Misshandlung oder Verwahrlosung aufgedeckt worden seien. Im Saarland kommen jedes Jahr etwa 7000 Kinder zur Welt.

Doch Kindtötungen wie im schleswig-holsteinischen Darry oder sächsischen Plauen lassen sich nach Ansicht von Experten mit verbindlichen Vorsorgeuntersuchungen nicht verhindert. „Die Politik schiebt die Verantwortung den Ärzten zu“, sagte Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), unserer Redaktion. Im Fall Darry und Plauen seien vermutlich Geldmangel, psychischer Druck und soziale Armut der Auslöser für die Kindstötung gewesen. „Wer überforderten Eltern helfen will, muss sie von ihrem psychischen Druck befreien“, so Hilgers.

Deckt Vorsorge nur Krankheiten auf?

Auch nach Ansicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte können verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen die Misshandlung und Tötung von Kindern nicht verhindern. "Das jetzige Kindervorsorgeprogramm ist ein reines Krankheitserkennungsprogramm", sagte Verbandspräsident Wolfgang Hartmann am Freitag im Bayerischen Rundfunk. "Es ist auch zeitlich so gestaffelt, dass zwischen den einzelnen Untersuchungen, besonders nach dem ersten Lebensjahr, große Lücken sind und somit die Kinder nicht engmaschig überwacht werden können."

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert, Kinderärzte, Gesundheitsämter, Jugendämter sowie Erzieher in den Schulen und Grundschullehrer müssten stärker sensibilisiert werden, um Warnsignale zu erkennen. Auszuschließen seien solche Fälle wie in Plauen oder Darry aber nicht, betonte Schäfer: "Es werde immer Fälle geben, wenn es spontane Verzweiflungstaten sind." Verbandspräsident Roland Schäfer am Freitag im WDR-Hörfunk.


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Nordkorea nennt sich selbst Atommacht

Neue Verfassung

Nordkorea nennt sich selbst Atommacht

Nordkorea bezeichnet sich in seiner neuen Verfassung selbst als Atommacht. mehr 

Altmaier sucht Konsens bei der Energiewende

Umweltminister präsentiert Arbeitsprogramm

Altmaier sucht Konsens bei der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will bei der Umsetzung der Energiewende keinen ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Umweltminister präsentiert Arbeitsprogramm

Altmaier sucht Konsens bei der Energiewende

Förderungen im Zuge der Energiewende

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Peter Altmaier

Umweltminister präsentiert Arbeitsprogramm

Altmaier sucht Konsens bei der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will bei der Umsetzung der Energiewende keinen Streit mit Ländern, Wirtschaft oder Umweltverbänden. mehr

 

Förderungen im Zuge der Energiewende

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

 

Interview mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler

"Union darf nichts mehr draufsatteln"

 

Rechts- und Linksextremismus

Schünemann für gemeinsames Abwehrzentrum

 

Machtkampf bei der Linken

Wagenknecht lässt Kipping den Vortritt

 
Top-Services