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Politischer Hintergrund?
Sabotagewelle alarmiert Bundeswehr

Politischer Hintergrund?: Sabotagewelle alarmiert Bundeswehr
FOTO: dapd, dapd
Berlin (RP). Polizei und Staatsanwaltschaften haben wegen 84 Straftaten Ermittlungen aufgenommen, die Unbekannte in diesem Jahr gegen militärische und zivile Angehörige der Bundeswehr verübt haben. 77 Mal seien Privatautos und sieben Mal Dienstfahrzeuge betroffen gewesen, bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums unserer Redaktion. Von Gregor Mayntz

Entgegen einem Gerücht unter Soldaten gebe es bislang keinen Hinweis darauf, dass gezielte Aufrufe im Internet zu dem heimtückischen Vorgehen geführt haben. Es lägen bislang auch keinerlei Selbstbezichtigungsschreiben vor. "Angesichts der Häufung kann ein politischer Hintergrund aber auch nicht ausgeschlossen werden", erklärte ein Sprecher von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).

Zunächst tauchten nur vereinzelte Meldungen in den lokalen Polizeiberichten auf. Als sich im Verteidigungsministerium jedoch im Juni die "besonderen Vorkommnisse" auffällig häuften, löste das Verteidigungsministerium einen vertraulichen Alarm aus und warnte alle Angehörigen der Bundeswehr vor der Serie von Straftaten. Betroffen waren zumeist Privatfahrzeuge von Soldaten, vereinzelt auch von zivilen Angestellten. Sie hatten ihre Autos auf Parkplätzen vor dem Eingang von Kasernen abgestellt.

Mindestens in einem Fall kam es in Norddeutschland zu einer lebensgefährlichen Situation, als sich auf der Autobahn ein Reifen löste und der Fahrer nur mit Mühe die Gewalt über seinen Wagen behielt. Es sei glücklicherweise nur Sachschaden entstanden. Die Ermittlungen erschwert der Umstand, dass sich in den meisten Fällen der Tatzeitraum nur sehr vage eingrenzen lässt, da auch Soldaten nicht täglich sämtliche Radmuttern überprüfen.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) verurteilte die Taten. "Das Handeln ist ausgesprochen empörend", sagte Königshaus unserer Zeitung. Es sei "überhaupt nicht akzeptabel und absolut unverantwortlich, so gegen Soldaten vorzugehen". Der Wehrbeauftragte sah in der Serie ein "weiteres Zeichen dafür, dass wir in einer breiteren Öffentlichkeit um Verständnis für unsere Soldaten und ihren schweren Dienst werben müssen". Angesichts des Ausmaßes sieht Königshaus "Anlass, die Beobachtung im Umfeld von Kasernen zu verstärken".

Quelle: RP
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