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Celle
Mutmaßliche IS-Messerstecherin vor Gericht

Safia S. Mutmaßliche IS-Messerstecherin vor Gericht
Zu Prozessbeginn galten am Landgericht Celle erhöhte Sicherheitsvorkehrungen FOTO: dpa, jst gfh
Celle. Wegen einer mutmaßlich vom "Islamischen Staat" befohlenen Messerattacke auf einen Polizisten in Hannover steht ein 16 Jahre altes Mädchen vor Gericht. Der Verteidiger bezweifelt eine Terrorverbindung.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat in Celle der Prozess gegen eine 16-Jährige begonnen, die im Auftrag der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) einen Polizisten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben soll. Die Angeklagte Safia S. muss sich vor dem Oberlandesgerichts Celle unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten. Ihr Verteidiger wies den Vorwurf der IS-Verbindung als unbelegbar zurück.

Die zierliche Schülerin, die mit einem beigen Kopftuch vor Gericht erschien, hatte am 26. Februar im Hauptbahnhof von Hannover einen Bundespolizisten bei einer Kontrolle plötzlich mit einem Gemüsemesser in den Hals gestochen. Die Deutsch-Marokkanerin wurde noch vor Ort überwältigt. Bei sich trug sie außerdem noch ein Steakmesser.

Kontakt zu Salafistenprediger Vogel

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass sie während eines Aufenthalts in der Türkei, von dem sie einen Monat vor der Tat zurückkehrte, von IS-Mitgliedern zu einer "Märtyrertat" in Deutschland angestiftet worden sei. Anschließend sei sie mit den IS-Angehörigen per Internet-Messengerdienst in Kontakt geblieben. Ursprünglich wollte sie demnach weiter in IS-Gebiete in Syrien reisen, war aber von ihrer Mutter in Istanbul abgefangen und zurückgebracht worden. Schon als Grundschülerin hatte sie Kontakt zu dem Salafistenprediger Pierre Vogel. Auch ihr Bruder war zum IS nach Syrien aufgebrochen.

Die Mutter der Angeklagten erschien vollverschleiert zum Prozess FOTO: dpa, jst gfh

"Der Akteninhalt gibt das nicht her, das wird nicht nachzuweisen sein", sagte ihr Verteidiger Mutlu Günal nach der Verlesung der Anklageschrift vor Journalisten. Der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Simon Henrichs, betonte dagegen, er werde in dem Verfahren "entsprechende Beweismittel" vorlegen. "Wir gehen davon aus, dass die Angeklagte durch Mitglieder des 'Islamischen Staates' in Syrien dazu motiviert wurde, diese Tat zu begehen", sagte Henrichs Diese hätten sie bei der Tat auch "angeleitet".

Mitangeklagter in Verbindung zu Länderspiel-Absage

In dem vom Gericht zunächst bis Ende Januar angesetzten Verfahren ist ein 20 Jahre alter Bekannter von S. mitangeklagt. Der Deutsch-Syrer, der ebenfalls aus Hannover stammt, muss sich wegen Nichtanzeigens einer geplanten Straftat verantworten, weil er von ihren Plänen gewusst haben soll. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft auch, weil er mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im vergangenen November führten. Für Wirbel sorgte auch in seinem Fall die Polizeiarbeit: Vor dem Prozess war es dem 20-Jährigen gelungen, sich ins Ausland abzusetzen. Er wurde in Griechenland gefasst und erst am Dienstag ausgeliefert.

Mit Blick auf das Alter der beiden Angeklagten schloss das Gericht die Öffentlichkeit für die gesamte Dauer des Prozesses aus, Verteidigung und Bundesanwaltschaft befürworteten dies. Der Informationsanspruch der Öffentlichkeit müsse gegenüber dem Schutz der jungen Angeklagten und den "Belangen der Erziehung" zurücktreten, sagte der Vorsitzende Richter Frank Rosenow zur Begründung unter Verweis auf die Vorgaben des Jugendgerichtsgesetzes.

(crwo/afp/dpa)
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