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Tacheles geredet: Sarkozy und Merkel: Jetzt ist der Streit offiziell

zuletzt aktualisiert: 13.09.2007 - 07:58

Paris/Düsseldorf (RP). Jetzt ist es auch offiziell bestätigt: Im deutsch-französischen Verhältnis knirscht es. Warum sonst hätten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen am Montag auf dem brandenburgischen Schloss Meseberg Tacheles reden sollen?

Der französische Regierungssprecher Laurent Wauquiez erklärte am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Paris, beide hätten sich nach der Darstellung von Sarkozy „sehr offen“ über bestehende Differenzen ausgetauscht. Sarkozy habe vor dem versammelten Kabinett angemerkt, beide Seiten hätten lernen müssen, „sich jenseits der Worte kennenzulernen“. Deutschland habe „eine tiefe Veränderung durchlaufen“, wird der Staatspräsident zitiert. Die Kanzlerin, „die eine Frau aus dem Osten mit all ihren Qualitäten ist“, sei selbst schon „eine Veränderung“.

Damit reagierte der Elysée auf Berichte unserer Redaktion nach denen sich Sarkozy zutiefst verärgert über die Kanzlerin gezeigt habe, die ihm „zunehmend auf die Nerven“ gehe. Auch habe die Kanzlerin nicht ihren Finanzminister Peer Steinbrück zur Ordnung gerufen, nachdem er Sarkozy bei einem Treffen der EU-Finanzminister wegen der französischen Haushaltspolitik kritisiert habe. Doch kritische Worte über Deutschland hatte Sarkozy auch schon parat, als er noch nicht zum Chirac-Nachfolger gewählt worden war.

"Höllentag"

Die französische Dramaturgin Yasmina Reza, die den damaligen Kandidaten Sarkozy hautnah im Wahlkampf für ihre Biographie begleitet hatte, schrieb über Sarkosys Besuch in Berlin bei Angela Merkel, das deutsch-französische Verhältnis sei „hohl“, er müsse zu einem „Höllentag“ nach Berlin reisen. Sie zitiert ihn weiter mit den Worten, „in Berlin werde ich terrorisiert, genauso wie in Frankfurt“. Doch unmittelbar nach seiner Amtsübernahme zögerte der Franzose nicht, nach Berlin zu reisen.

Sarkozy war mit seinen Vorstellungen von einer weniger unabhängig agierenden Europäischen Zentralbank bei den Deutschen nie auf Gegenliebe gestoßen. Im Gegenteil. Die Bundesregierung besteht weiter auf der politischen Unabhängigkeit des in Frankfurt ansässigen europäischen Geldinstituts.

Unter Druck

Doch auch innenpolitisch gerät Sarkozy unter Druck. Erstmals seit seinem Amtsantritt Mitte Mai verliert er an Zustimmung. Sie ging im Vergleich zum Juli um fünf Prozentpunkte zurück. Nach einer von Paris-Match in Auftrag gegebenen Umfrage ist seine Beliebtheit bei den Franzosen mit 62 Prozent zwar noch hoch, doch die Zahl der unzufriedenen Bürger ist um vier Punkte auf 37 Prozent gestiegen.


 
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