Nach Schuldzuweisung: Sarkozy und Merkel zeigen Geschlossenheit
zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 13:57Paris (RPO). Nicolas Sarkozy soll Angela Merkel für die geringe Wirkung des europäischen Vierer-Gipfels zur Finanzkrise verantwortlich gemacht haben. Nach Berichten über die unterschiedlichen Haltungen der beiden Politiker haben Frankreichs Präsident und die Bundeskanzlerin ihre Geschlossenheit betont.
Nach den Medienberichten über deutsch-französische Zerwürfnisse in der Finanzmarktkrise sind Berlin und Paris um Schadensbegrenzung bemüht. Am Mittwochabend telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, wie das Bundespresseamt am Donnerstag bestätigte. Gesprochen worden sei über die Lage an den Märkten und die Reaktionen der Politik. Hervorgehoben worden sei die Bedeutung enger Kooperation.
Der Élysée-Palast hatte bereits am späten Mittwochabend eine "gemeinsame Erklärung" Merkels und Sarkozys verbreitet. Darin heißt es, beide hätten verabredet, dass "die Aktionen Deutschlands und Frankreichs hinsichtlich der Finanzmarktkrise vollständig abgestimmt werden".
Das Wochenblatt "Le Canard enchaîné" hatte am Mittwoch berichtet, Sarkozy sei wegen des kategorischen Neins Berlins zu einem EU-Auffangfonds für angeschlagene Banken "stinksauer" auf Merkel. Dem Blatt zufolge warf er der Kanzlerin vor, für den geringen Durchschlag des Krisengipfels der europäischen G8-Staaten am Samstag in Paris verantwortlich zu sein. Sein Büro lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.
In der Erklärung des Élysée-Palastes heißt es, beide Politiker hätten sich über die jüngsten Entwicklungen der Finanzmarktkrise unterhalten. Beide unterstützten vollständig die Leitzinssenkung der EZB und zahlreicher nationaler Zentralbanken. Am Samstag treffen sich Merkel und Sarkozy zu einem deutsch-französischen Gipfeltreffen im ostfranzösischen Colombey-les-Deux-Églises.
Merkel telefonierte nach Angaben des Bundespresseamts am Mittwochabend außerdem mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush, dem britischen Premierminister Gordon Brown und dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, um über die Finanzmarktkrise zu sprechen. Die Kanzlerin tausche sich regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten mit ihren G-7-Kollegen und den europäischen Partnern aus, hieß es weiter.
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