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"Der ist vom Stamme Nimm": Sarrazin sichert sich höhere Pension

zuletzt aktualisiert: 11.09.2010 - 19:53

Berlin (RPO). Einem Magazinbericht zufolge hat sich Thilo Sarrazin bei den Verhandlungen mit der Bundesbank höhere Pensionszahlungen gesichert. "Der ist vom Stamme Nimm", sagte ein Bundesbanker mit Blick auf den umstrittenen Buchautoren. Das Finanzinstitut selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

"Er kassiert nun 1000 Euro mehr im Monat", sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Bundesbanker dem "Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag. Demnach soll das Bundespräsidialamt Sarrazin die höhere Pension verschafft haben. Ein Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff bestätigte lediglich, dass man zwischen Sarrazin und der Bundesbank vermittelt habe. "Alle inhaltlichen Vereinbarungen wurden ausschließlich von den Vertragspartnern getroffen", betonte er. Die Bundesbank lehnte eine Stellungnahme ab. Beide Seiten hätten Stillschweigen vereinbart.

Der Bundesbank-Vorstand hatte Wulff um die Ablösung des wegen Äußerungen über Einwanderer und Juden ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Spitzenbankers gebeten. Sarrazin kam seiner drohenden Abberufung dann aber zuvor und bat den Bundespräsidenten um seine Entlassung, was Wulff die juristisch heikle Entscheidung über den Rauswurf des Notenbankers ersparte.

Nach einem Bericht des "Focus" führte Wulffs Staatssekretär Lothar Hagebölling mit Sarrazin das entscheidende Gespräch, das zum Amtsverzicht führte. Nach Angaben des "Spiegels" hatte die Bundesbank Sarrazin zunächst angeboten, für seine 17 Monate im Amt eine Pension ohne Abzug zu zahlen, wenn er sich freiwillig zurückzöge. In den vom Bundespräsidialamt geführten Verhandlungen habe Sarrazin aber eine noch höhere Forderung durchgesetzt. Nun bekomme er eine Pension, wie sie ihm am Ende der regulären Laufzeit seines Vertrags im Jahr 2014 zugestanden hätte.

"Der ist vom Stamme Nimm", sagte ein führender Bundesbanker dem "Spiegel". Eine Abfindung erhält Sarrazin dagegen nicht, wie der "Focus" weiter berichtete. Allerdings sei Sarrazin mit 65 Jahren voll pensionsberechtigt und erhalte ab Oktober eine monatliche Altersversorgung von rund 10.000 Euro. Zudem habe sich sein umstrittenes Buch inzwischen 400.000 mal verkauft und werde bereits in der achten Auflage gedruckt.

Der Bund der Steuerzahler übte scharfe Kritik. "Sollte hier wirklich ein Deal zu Lasten der Steuerzahler gemacht werden, ist dies klar abzulehnen", sagte Verbandsvizepräsident Reiner Holznagel Handelsblatt Online. Schon jetzt seien die Bürger erstaunt, wie das Ausscheiden von Sarrazin vollzogen wird. "Sollte der Abschied nun auch noch zusätzlich vergoldet werden, hat das nicht nur ein Geschmäckle, sondern das ist nicht in Ordnung." Die Linkspartei kritisierte Wulff. "Sarrazin wird durch Hetze reich und erhält dafür offenbar sogar noch Amtshilfe aus dem Bundespräsidialamt. Das ist ein goldener Handschlag in Raten", sagte die stellvertretende Linken-Chefin Katja Kipping.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit appellierte unterdessen an seinen umstrittenen Parteikollegen, nun auch sein SPD-Parteibuch freiwillig zurückzugeben. "Sarrazin könnte der SPD einen Dienst erweisen und nach seinem Rückzug aus der Bundesbank auch die SPD verlassen", sagte der SPD-Vize dem "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe) laut Vorabbericht. "Klar ist doch, dass er den Grundkonsens unserer Partei nicht teilt." Gegen einen Ausschluss Sarrazins sprach sich der ehemalige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück aus. "Ich würde ihn halten", sagte Steinbrück dem "Spiegel". Zwar würde er selbst sich nie so äußern wie Sarrazin. "Aber die Integrationsfragen in diesem Land werden nicht dadurch gelöst, dass man Herrn Sarrazin aus der SPD ausschließt."

Unterdessen sprach sich der ehemalige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück gegen den geplanten Parteiausschluss Sarrazins aus. "Ich würde ihn halten", sagte er dem "Spiegel". "Ich würde mich nie so äußern wie Herr Sarrazin", sagte Steinbrück. "Aber die Integrationsfragen in diesem Land werden nicht dadurch gelöst, dass man Herrn Sarrazin aus der SPD ausschließt."

Sarrazin erstattet Anzeige gegen die NPD

Unerwünschten Zuspruch bekommt Sarrazin von der rechtsextremen NPD. Die Berliner Polizei entfernte am Freitagnachmittag an der NPD-Bundeszentrale im Stadtteil Köpenick ein Plakat mit dem Konterfei des ehemaligen Berliner Finanzsenators, wie ein Polizeisprecher am Samstag bestätigte. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" trug das Plakat die Aufschrift: "Sarrazin hat recht." Der 65-Jährige erstatte laut Polizei Anzeige.

Quelle: apd/RTR/csi

 
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