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Ypsilanti verzichtet auf Spitzenkandidatur: Schäfer-Gümbel soll Hessen-SPD retten

zuletzt aktualisiert: 08.11.2008 - 15:26

Frankfurt/Main (RPO). Ypsilanti geht, Schäfer-Gümbel kommt. Die hessische SPD-Chefin zieht die Konsequenzen aus der gescheiterten Regierungsübernahme und verzichtet auf ihre Spitzenkandidatur. Herausforderer von Ministerpräsident Roland Koch wird nun völlig überraschend der Gießener Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel. Er tritt ein schweres Erbe an.

Thorsten Schäfer-Gümbel tritt ein schweres Erbe an.  Foto: ddp, ddp
Thorsten Schäfer-Gümbel tritt ein schweres Erbe an. Foto: ddp, ddp

Der zum linken Parteiflügel gerechnete Schäfer-Gümbel räumte ein, dass es ein anstrengender Wahlkampf werde, dem sich die SPD aber "erhobenen Hauptes" stellen werde. Eine Koalitionsaussage werde die Partei diesmal nicht treffen, sondern ganz auf ihr Wahlprogramm setzen. Für die Regierungsbildung gelte jetzt "Sag niemals nie zu gar nichts mehr."

Ypsilanti sicherte dem neuen Spitzenkandidaten jedwede Unterstützung zu. Sie selbst werde Landes- und Fraktionsvorsitzende bleiben. Der Parteirat der hessischen SPD nominierte den 39-jährigen Wirtschaftsexperten auf Vorschlag Ypsilantis einstimmig für Platz Eins der Landesliste.

Kernaussagen bleiben

Nach eigenen Angaben will Ypsilanti sowohl in ihrem Frankfurter Wahlkreis als auch auf der SPD-Landesliste wieder für den Landtag kandidieren. Zusammen mit Schäfer-Gümbel kündigte sie an, dass die Partei erneut mit den Kernaussagen ihres Wahlprogramms vom Januar antreten werde. Als wesentliche Punkte nannte sie eine gerechte Bildungspolitik, eine Sozialpolitik, die niemanden zurücklasse, und die angestrebte Energiewende. Neu ins Programm aufnehmen werde die SPD aber Aussagen zur Überwindung der Finanzkrise.

Der ursprünglich als neuer Spitzenkandidat gehandelte nordhessische SPD-Vorsitzende Manfred Schaub hatte es zuvor abgelehnt, als Herausforderer Kochs anzutreten. Dies habe zum einen mit seiner Position als Bürgermeister von Baunatal bei Kassel zu tun, sagte er vor Journalisten. Zum andern habe er in den letzten Monaten in allen Punkten Seite an Seite mit Ypsilanti agiert und halte es daher für besser, wenn jetzt eine unbelasteter Vertreter der jüngeren Generation antrete.

Beifall für Ypislanti

Ypsilanti räumte nach der Parteiratssitzung, auf der sie immer wieder mit viel Beifall bedacht wurde, erneut Fehler ein. Der erste sei gewesen, im vorigen Landtagswahlkampf jedwede Zusammenarbeit mit der Linkspartei kategorisch auszuschließen, der zweite sei der nicht optimal vorbereitete erste Versuch einer Regierungsbildung im März gewesen. Danach aber habe es eine breite Diskussion und Willensbildung in der Partei gegeben.

Schon damit im Wahlkampf nicht alles von der Wortbruch-Debatte überlagert werde, sei es jetzt aber sinnvoll, die Ärmel aufzukrempeln und mit einem anderen Spitzkandidaten in die Neuwahl zu gehen. Ypsilanti bezeichnete Schäfer-Gümbel als "sehr kreativen Kopf", der über die Parteiflügel hinweg integrativ wirke. Die Partei stehe eng zusammen und sei sturmerprobt seit über 100 Jahren. Daher sei sie optimistisch, dass ihr der Wähler eine zweite Chance gebe, fügte Ypsilanti hinzu.

"Jetzt erst recht"

Schäfer-Gümbel sagte, die hessische SPD werde unter dem Motto "Jetzt erst recht" erneut für eine Ablösung Kochs kämpfen. Die Partei wisse, dass sie nach 90 Minuten Spiel, Verlängerung und Elf-Meter-Schießen noch einmal antreten müsse. Sie nehme aber die Herausforderung an. Mit Wehmut erfülle ihn nur, wie Ypsilanti "gescheitert wurde", nachdem sie der hessischen SPD mit einem erfolgreichen Wahlkampf neues Selbstbewusstsein eingeflößt habe.

Die Gespräche der hessischen SPD-Führung mit dem Bundesvorsitzenden Franz Müntefering hätten nicht den Ausschlag für den Personalwechsel gegeben, sagte Ypsilanti. Im Übrigen sei sie eine Kämpferin, die nicht die Flinte ins Korn werfe. "Wir setzen auf Sieg, nicht auf Opposition", betonte sie.

Quelle: ap

 
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