Nach Krankenhaus-Aufenthalt: Schäuble führt Amtsgeschäfte vom Krankenbett
VON BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 11.05.2010 - 16:28Berlin (RPO). Nach seinem jüngsten Krankenhausaufenthalt muss Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Amtsgeschäfte erneut vom Krankenbett aus führen. In Koalitionskreisen wurde spekuliert, ob neben der Erkrankung Schäubles auch Differenzen zwischen Merkel und Schäuble über die Reform der Währungsunion für die baldige Ablösung des Finanzministers sprechen könnten.
Schäuble hatte sich lange gegen die Einbeziehung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewehrt, während Merkel schon früh dem IWF eine tragende Rolle bei der Rettung notleidender Euro-Staaten einräumen wollte. Merkel und Schäuble hätten nach der Kabinettssitzung am Dienstag ausführlich telefoniert, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmanns. "Merkel hat Schäuble empfohlen, sich noch ein paar Tage zu schonen", so Steegmanns. Er habe ihre "volle Rückendeckung".
In dem Telefonat sei es nicht um Rücktritt gegangen, versicherte auch Schäubles Sprecher Michael Offer. "Rücktritt war überhaupt kein Thema." Schäuble werde am nächsten Montag wieder im Ministerium sein. Wie unsere Redaktion erfuhr, will Schäuble bereits am Montag intensive Beratungen mit den Fachpolitikern der Regierungsfraktionen über ein Sparprogramm für den Bundeshaushalt 2011 beginnen.
Der querschnittsgelähmte 67-Jährige soll allergisch auf ein Antibiotikum reagiert haben, das ihm am Samstag erstmals verabreicht wurde. Am Sonntag - unmittelbar vor Beginn der EU-Finanzministerkonferenz in Brüssel - war er kurzzeitig ohne Bewusstsein. Er wurde daraufhin in ein Brüsseler Krankenhaus eingeliefert, das er am Montagabend wieder verlassen durfte.
Am Dienstag beriet er sich mit seinen deutschen Ärzten "über die Ursachen der Medikamentenunverträglichkeit", sagte Offer. Auf den ärztlichen Rat hin wolle er sich noch ein paar Tage "auskurieren". Er soll sich in einer Klinik außerhalb Berlins aufhalten.
Bei Kabinettssitzung vertreten
Der Finanzminister wurde am Montagmittag aus der Klinik entlassen und flog nach Berlin zurück. An der vorgezogenen Kabinettsitzung am Dienstag nahm Schäuble nicht teil, sondern wurde durch einen Staatssekretär vertreten.
Offer sagte, Schäuble führe sein Ministerium während seiner Abwesenheit "aus der Ferne" durch den Einsatz moderner Kommunikationsmittel. Das Funktionieren des Hauses sei gewährleistet. "Wir haben gute Staatssekretäre", betonte der Sprecher.
Schäuble hatte in den vergangenen Wochen bereits wegen einer schlecht verheilenden Operationsnarbe längere Zeit im Krankenhaus verbracht und sich von dort aus um seine Amtsgeschäfte gekümmert.
Koch will nicht Nachfolger des Finanzministers werden
Spekulationen, der Minister könnte wegen seiner gesundheitlichen Probleme ganz aus dem Amt ausscheiden, wies Offer deutlich zurück. Schäuble habe im Telefonat mit Merkel keinen Rückzug angeboten, stellte er klar, "Rücktritt war überhaupt kein Thema." Schäuble genieße das "volle Vertrauen der Kanzlerin".
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wies Spekulationen zurück, er werde Schäubles Nachfolge antreten. Koch sagte dem "Hamburger Abendblatt", er sei Ministerpräsident von Hessen. "Dabei bleibt es." Die Diskussion über Schäubles Gesundheitszustand und seine Arbeit nannte Koch unfair. Schäuble habe auch in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt, dass er selbst mit einer Krankheit voll handlungsfähig sei, betonte der stellvertretende CDU-Vorsitzende und unterstrich: "In den bevorstehenden Haushaltsgesprächen werden wir seine Tatkraft erleben."
Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier rief zu einem respektvollen Umgang mit dem Thema auf. "Das, was am Sonntag geschehen ist, kann auch jedem Gesunden geschehen. Wir sind alle nicht davor gefeit, dass wir gesundheitliche Probleme haben können", sagte der CDU-Politiker. "Ich glaube, dass wir auch im harten Politikbetrieb die Kraft haben sollten, solche Vorfälle mit dem nötigen Respekt zu behandeln".
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